DSL-Anbindung
Breitband-Anbindung als wichtige Infrastruktur
Stadtteil Lützel im World Wide Web auf der Überholspür
Die Schwierigkeit einer flächendeckenden Breitbandversorgung im ländlichen Raum ist ein bekanntes Thema. Auch in Hilchenbach befinden sich Ortschaften, die nur unzureichend mit einer Anbindung an das weltweite Datennetz versorgt sind.
Der Stadtteil Lützel war hiervon stark betroffen und so bildeten die ortsansässigen Bürgerinnen und Bürger die DSL-Initiative Lützel. Anstrengungen einer Anbindung durch die Telekom mittels einer Kabelverbindung konnten aus Kostengründen nicht realisiert werden. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung suchte man daher nach alternativen Möglichkeiten einer ausreichenden Anbindung, um das Internet zeitgemäß, also ohne große Wartezeiten, nutzen zu können.
Nach intensiver Recherche trat Stadtmarketingfachmann Kyrillos Kaiogliidis von der Stadt Hilchenbach Ende 2008 an die Firma OR Network in Grünberg mit der Bitte heran, die Machbarkeit einer alternativen Breitbandversorgung für den Stadtteil Lützel zu prüfen. Diese Firma bot zu diesem Zeitpunkt mit wiDSL bereits in über 120 Orten in Hessen Internetverbindungen über Richtfunk an und ist im benachbarten hessischen Lahn-Dill-Kreis aktuell in vielen Ortsteilen im Aufbau oder aktiv.
In Zusammenarbeit mit der DSL-Initiative Lützel und der Stadt Hilchenbach fand im Dezember 2008 eine Infoveranstaltung statt, die bei den Bürgerinnen und Bürgern auf ein überwältigendes Interesse stieß. Bereits Ende Januar war die notwendige Zahl von 35 Anmeldungen zustande gekommen, so dass der Startschuss für das Projekt gegeben werden konnte.

In der anschließenden Planungsphase waren gemeinsam einige Schwierigkeiten zu bewältigen. Bei der Zuführung des Internetsignals aus Hilchenbach über den bereits vorhandenen Richtfunkmast der Kommunalen Datenzentrale Westfalen-Süd (KDZ) mussten zunächst einige vertragliche Hürden, zum Beispiel mit der Forstverwaltung, genommen werden. Letztlich konnte unter Mithilfe aller Beteiligten im Herbst 2009 mit der genauen Planung der Sendestandorte und dem Aufbau begonnen werden. Seit Anfang 2010 steht den Lützeler Bürgerinnen und Bürgern eine ansprechende Geschwindigkeit zur Nutzung des weltweiten Datennetes zur Verfügung.
Die Internetverbindung erfolgt per Richtfunk über einen Anschluss im Rathaus in Hilchenbach, den Mast der KDZ, wo auch eine weitere Anbindung zum Standort „Salzburger Kopf“ bei Rennerod vorhanden ist, und über einen privaten Sendeturm am Gillerberg in den Ort. Um eine flächendeckende Versorgung in Lützel zu gewährleisten, wurden vier sogenannte Füllsender auf Privathäusern gebaut. Eine Diskussion über Strahlenbelastung wie bei Mobilfunk kam nicht auf, da die Ortssender nur eine Leistung von einem Zwanzigstel, also 5 Prozent, eines einzigen Handys und sogar eine Zulassung in Krankenhäusern haben.

Die Kunden erhalten eine kleine wetterfeste Empfangseinheit, die im Außenbereich in Richtung des nächsten Füllsenders von einem Vor-Ort-Partner montiert und in Betrieb genommen wird. Daran werden dann ein oder mehrere Computer über Kabel oder auch drahtlos im Haus angeschlossen. Im Dezember 2009 wurden die Arbeiten fertiggestellt und alle Kunden angeschlossen.
Die Stadtverwaltung Hilchenbach hat die nun erreichte Lösung gemeinsam mit der sehr aktiven DSL Initiative Lützel in allen Phasen der Planung und Verwirklichung unterstützt. Das Projekt hat für den Anbieter OR Network sowie für die Hilchenbacher Stadtverwaltung Pilotcharakter im Kreis Siegen-Wittgenstein. Die Erschließung weiterer Ortsteile wie Grund, Ruckersfeld und Oechelhausen ist geplant.
Einige Fakten in Kurzform zum Pilotprojekt:
- Bereits zum Start surfen über 70 Bürger mit Geschwindigkeiten bis 4 MBit über wiDSL im Internet.
- Geschäftskunden haben die Möglichkeit symmetrische Verbindungen mit bis 50 Mbit zu erhalten.
- Für das Jahr 2010 sind höhere Geschwindigkeiten bis 6 Mbit für Privatnutzer geplant.
- Die Möglichkeit, einen Telefonanschluss mit Flatrate zu erhalten, ist in Planung.

