Ginsburg
Ginsburg - Wahrzeichen Hilchenbachs!
Geschichte der Ruine Ginsburg
Auf dem Felsengrund einer Grauwacken-Schieferbank gründeten Ende des 11. oder Anfang des 12. Jahrhunderts unbekannte Bauherren in einem sicherlich nicht vollendeten, dann verfallenen Ringwall einer späteisenzeitlichen Wehranlage eine vierkant gemauerte Turmburg. Ihre Errichtung mag auf sächsisch-westfälische Vorstöße in das ehemals fränkisch - sächsische Grenzwaldgebiet oder gar auf Auseinandersetzungen zwischen der Kölner und Mainzer Erzdiözese, deren Kirchenprovinzen im Siegquellgebiet aneinander stießen, zurückzuführen sein. Mit einiger Wahrscheinlichkeit kann deshalb gesagt werden, dass die Turmburg gegen das Siegener Land gerichtet war.
Unter dem heute gebräuchlichen Namen "Ginsberg" oder "Ginsburg" kommt die - in der Hilchenbacher Gemarkung Grund liegende - Bergfeste ebenfalls erst 1292 vor. Ihre Bedeutung im Mittelalter wird anhand der Tatsache deutlich, daß ihr Besitzer, der Graf von Nassau, sich 1384 und 1389 von König Wenzel (1378 - 1400) mit einem Freien Stuhl auf dem Ginsberge belehen ließ. Das ist um so bemerkenswerter, als Femgerichte außerhalb Westfalens, zu dem das Siegerland erst seit 1817 gehört, nicht anzutreffen sind.
Im Jahre 1568 war die Ginsburg in ein bedeutendes europäisches Geschehen einbezogen. Prinz Wilhelm von Nassau-Oranien besprach hier seinen ersten Feldzug zur Befreiung der Niederlande. Auf der Ginsberger Heide sammelte sein Bruder Ludwig den dritten Heerbann. Dem Gedenken an dieses Geschehen und der Jugend Europas dienen heute die seit 1961 in mühseliger Kleinarbeit restaurierten Reste der Ruine Ginsburg.

Neben den historisch belegten Informationen ranken sich um die Ginsburg zahlreiche weitere Geschichten, die nicht verbürgt sind. Die bekannteste, über Generationen überlieferte Erzählung ist die von dem Raubritter Johann, genannt Hans, Hübner. Lesen Sie dazu folgende Ballade:
Der Johann Hübner war bekannt
als Raubritter im ganzen Land,
hat jeder vor gezittert.
Er sah auch schon zum Fürchten aus:
mit schwarzem Bart, sein Haar so kraus
und seine Haut verwittert.
Ein Auge nur noch hatte er;
mit dem da blickte er umher
aus seinem Räuberneste.
Das war die Ginsburg, überall
gezeichnet schon von dem Verfall,
die einst so stolze Feste.
Und sah er einen Kaufmannszug,
den überfiel er wie ein Spuk
mit seinen Spießgesellen.
Den Bauern raubte er das Vieh;
doch wie man auch um Hilfe schrie,
kam niemand, ihn zu stellen.
Schließlich nahm sich Fürst Christian
von Dillenburg der Sache an
und schickte einen Späher;
der hieß Hanns Flick und war gescheit,
forschte im Lande weit und breit
und kam dem Hübner näher.
Da ließ der Räuber seinem Pferd
die Hufeisen grad umgekehrt
von einem Schmied anschlagen.
Was hinten war, wies nun nach vorn;
der Hanns, er irrte wie verlorn
und wollte fast verzagen.
Er hat ihn doch noch aufgespürt,
den Fürsten eiligst hergeführt
mit kampferprobten Reitern.
Und in der Nacht beim Mondenschein,
da kreisten sie den Hübner ein
samt all seinen Begleitern.
Schon tönte Kampflärm durch den Wald.
Der Fürst, er fand den Hübner bald;
der wollt’ sich nicht ergeben.
Er zog sogleich sein scharfes Schwert
und hat verbissen sich gewehrt;
es ging ja um sein Leben.
Endlich traf ihn der Fürst aufs Haupt;
da hat der Hübner ausgeraubt,
kam gleich unter die Erde.
Jedoch: Noch heute reitet er
beim Mondschein um die Ginsburg her,
auf seinem schwarzen Pferde.
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