Wirtschaft
Hilchenbacher Wirtschaft unterstützt MINToring
3. September 2009
Projekt „MINToring“ zu Gast bei der SMS Siemag AG:
Erfahrungslastige Produkte benötigen selbst ausgebildete Fachkräfte
Bei dem zur SMS group gehörenden Hütten- und Walzwerkbauer SMS Siemag AG in Dahlbruch und Düsseldorf entstehen Produkte und Dienstleistungen, die „sehr erfahrungslastig“ sind. Daher werden Jahr für Jahr erhebliche Investitionen in die Bildung getätigt und die benötigten Fachkräfte – vor allem im ingenieurwissenschaftlichen und technischen Bereich – überwiegend selbst ausgebildet.

Diplom-Ingenieur Andreas Schuchardt (im Foto oben links), Leiter der Technischen Berufsbildung bei der „Siemag“, konnte diese Aussagen gegenüber 30 Schülerinnen und Schülern von sechs Gymnasien aus Siegen-Wittgenstein, darunter vom Hilchenbacher Gymnasium Stift Keppel, auch mit Zahlen untermauern.
Diese waren in dem Hilchenbacher Unternehmen zu Gast, um sich im Rahmen des Projekts „MINToring – Studierende begleiten Schülerinnen und Schüler“ über die Studien- und Nachwuchsförderung sowie über die Ausbildung von Jung-Ingenieuren bei dem renommierten heimischen Walzwerksbauer zu informieren. Mit dabei war auch Kyrillos Kaioglidis von der Wirtschaftsförderung der Stadt Hilchenbach, der die Gelegenheit nutzte, um mehr über "MINToring" und die Zusammenarbeit mit Hilchenbacher Firmen in diesem Bereich zu erfahren.
Von den rund 3.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der SMS Siemag an den beiden Standorten sind rund 1.000 Ingenieure und regelmäßig gut acht Prozent Auszubildende. Anfang September sind gerade wieder 69 junge Menschen in Hilchenbach und 20 in Düsseldorf bei der „Siemag“ ins Berufsleben gestartet. Und wenn sich technische Auszubildende bewähren, haben sie mit tatkräftiger und finanzieller Unterstützung durch die SMS Siemag auch die Möglichkeit, ein duales Bachelor-Studium im Bereich Maschinenbau oder im Bereich Elektrotechnik, Fachrichtung Automatisierung, zu absolvieren.
Man fördere diese junge Menschen, weil für SMS Siemag dabei die praktische Berufslaufbahn und das Interesse an einer langfristigen Tätigkeit dieser jungen Menschen im Vordergrund stehe, betonte Andreas Schuchardt gegenüber den MINToring-Schülerinnen und -Schülern. Bei der SMS Siemag bekommen in der Regel jedes Jahr jeweils vier junge Menschen in Hilchenbach und Düsseldorf nach einem Auswahlverfahren die Möglichkeit, an der Universität Siegen oder an der Fachhochschule Düsseldorf zu studieren. Voraussetzungen dafür sind beispielsweise gute Abiturzeugnisse, die Belegung von Leistungskursen in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), der Besitz von Schlüsselqualifikationen (Belastbarkeit, Zuverlässigkeit, Zielstrebigkeit sowie Teamfähigkeit) und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Menschen anderer Kulturkreise. 
Warum diese Voraussetzungen notwendig sind, zeigten die beruflichen Werdegänge von angehenden und fertigen Jung-Ingenieuren, die Andreas Schuchardt zu der Veranstaltung eingeladen hatte: Etwa Stephan Jüngst, der nach dem Abitur eine verkürzte Lehre als Industriemechaniker bei der SMS Siemag absolvierte und danach an der Fachhochschule Aachen Mechatronik studierte. Heute leitet der 32-jährige Diplom-Ingenieur und „Application Engineer“ ein zehnköpfiges Team mit Kollegen aus verschiedenen Ländern. Den in der Ausbildung gewonnenen Praxisbezug sieht er auch heute noch als „riesigen Vorteil“ im Studium. Lob für die Ausbildung als „Informationsspeicher, auf dem man im Studium zurückgreifen kann“, gab es auch von Matthias Niclas. Der 25-Jährige studiert nach seiner Lehre zum Mechatroniker seit 2008 Elektrotechnik an der Uni Siegen.
Anna Bosch verzichtete dagegen auf eine Ausbildung. Sie machte ihr Abitur am SMS Siemag-Partnergymnasium, dem Gymnasium Stift Keppel in Hilchenbach, und belegte zunächst einen Vorkurs Informatik an der Uni Siegen. Seit Herbst 2008 ist sie dort nun duale Studentin im Bereich Elektrotechnik.
Mit solchen Veranstaltungen wie dem Besuch bei der SMS Siemag ermöglicht das Projekt „MINToring“ angehenden Abiturienten Einblicke in mögliche Studienfächer und Berufsfelder im Bereich MINT. Ziel ist es, bei den Jugendlichen die Faszination für MINT zu wecken, sie für ein MINT-Studium zu motivieren und den Grundstein für den erfolgreichen Studienabschluss zu legen.
Das Projekt wurde von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ins Leben gerufen und wird inzwischen an neun Standorten angeboten. Es ist offizieller Teil der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung „Aufstieg durch Bildung“. Der Verband der Siegerländer Metallindustriellen e.V. und eine ganze Reihe seiner Mitgliedsunternehmen unterstützen in der hiesigen Region das Projekt an sechs Gymnasien. Gemeinsam fördern die Partner den naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchs, indem sie junge Menschen beim Übergang von der Schule an die Hochschule unterstützen und sie auch im ersten Jahr des MINT-Studiums weiterhin fördern.
Den Projektteilnehmern stehen während des jeweils dreijährigen Förderprogramms Studierende der MINT-Fächer als Mentoren mit Rat und Tat zur Seite. Sie geben die Begeisterung für ihr Fach weiter und unterstützen bei der Studienorientierung. Es stehen etwa Informationsnachmittage, gemeinsame Experimente in Laboren sowie die Arbeit an selbst gewählten Forschungsprojekten auf dem Programm, um Einblicke in den Unialltag und in wissenschaftliche Arbeitsweisen zu erhalten. Die Jugendlichen haben so die Chance, aus der großen Bandbreite das individuell passende MINT-Studienfach für sich zu entdecken.
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