Stadt Hilchenbach

Wirtschaft

Kritik der IHK zur Wirtschaftspolitik stößt in Hilchenbach auf allgemeines Unverständnis

In einer Pressemiteilung der IHK wurde Hilchenbach in unpassender Art und Weise kritisiert.


Wie zahlreiche Reaktionen aus der Bevölkerung auf diesen Bericht und betroffene Anrufe bei Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab deutlich gemacht haben, sind einige in dieser Pressemitteilung dargestellte Meinungen richtig zu stellen.

Stellungnahme von Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab:
Kritik der IHK ist unangemessen und nicht hilfreich


Die Pressemitteilung der IHK, in der Hilchenbach heftig kritisiert wird, bedarf einiger Richtigstellungen, erweckt Sie doch insgesamt den falschen Eindruck, dass unsere Stadt konzeptlos und gleichgültig mit der Wirtschaft umgeht. Zu diesem negativen Bild trägt bei, dass viele auch der IHK längst bekannte Tatsachen bewusst nicht berücksichtigt oder unsachlich dargestellt worden sind.

Dabei kann ich mich in einzelnen Kritikpunkten durchaus der Meinung der IHK anschließen und würde mir bei der ein oder anderen Entscheidung mehr politische Rückendeckung aller Fraktionen wünschen. Die Pressemiteilung versucht dem Leser aber einzureden, das in Hilchenbach im Umgang mit der Wirtschaft "alles schlecht ist".

Und dieser Darstellung muss ich auch im Interesse der Hilchenbacher Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie aller Bürger deutlich widersprechen.


Einzelhandelskonzept ist weiterhin anzustreben - politische Unterstützung ist erforderlich!


Genannt wird das fehlende Leitbild für die wirtschaftliche Entwicklung, zu dem auch ein Einzelhandelskonzept zähle. Gerade in diesem Punkt habe ich als Bürgermeister dem Rat mehrfach einen Entwurf zur Beschlussfassung vorgelegt und ich bedauere weiterhin, dass keine Entscheidung getroffen wurde, um festzulegen, an welchen Stellen sich der Handel zukünftig entwickeln soll. Trotz dieser fehlenden Beschlussfassung verweise ich darauf, dass die Stadt Hilchenbach im Rahmen des frühzeitig angestoßenen Leerstandsmanagements über wissenschaftliche Gutachten und sich daraus ergebende Konzepte verfügt, die Handlungslinien und Spielräume festlegen und damit für entwicklungskonforme Einzelfallentscheidungen sehr wohl die Grundlage bilden. Zum gegenwärtigen Stand ist festzuhalten, dass wir im Einzelhandel mit dem Zentrum Hilchenbach und dem Nebenzentrum Dahlbruch sowie den jeweils dort angesiedelten Nahversorgungsangeboten gut aufgestellt sind. Darin eine einseitige nur auf die Kernstadt ausgerichtete Entwicklung zu sehen, wird unserer Orientierung und dem für Dahlbruch und Umgebung durchaus schon bestehenden guten Angebot nicht gerecht. Richtig ist, dass sich Hilchenbach einwohnerbedingt als Schwerpunkt des Handelns ergibt, ohne dass dadurch andere Stadtteile benachteiligt werden sollen.

Industrie als wichtiger Wirtschaftsfaktor wird unterstützt!


Zur bemängelten, fehlenden Aufmerksamkeit für die Industrie ist interessant, dass die IHK in ihrem eigenen aktuellen Wirtschaftreport Nr. 6/2007 vor wenigen Tagen unter dem Titel "Attraktives Leben am Rothaarsteig" meine Ansichten zur Situation Hilchenbachs als Wirtschaftsstandort veröffentlicht hat. Der aufmerksame Leser kann aus diesem Beitrag recht schnell entnehmen, dass mir sehr wohl die Bedeutung der Industrie für unsere Stadt bewusst ist, denn (Zitat) ..."Gleichwohl sind immer noch rund 75 Prozent aller Erwerbstätigen in Hilchenbach im verarbeitenden Gewerbe tätig."

Aufgrund ihrer eigenen Veröffentlichung müsste gerade der IHK unmissverständlich klar sein, dass mir die Erhaltung dieser Arbeitsplätze sehr wichtig ist und gemeinsam mit den Unternehmen Ausbaumöglichkeiten auch im industriellen Bereich zu nutzen sind.

Die Warnung der IHK, Hilchenbach würde wirtschaftliche Perspektiven einseitig im Dienstleistungsbereich sehen, ist also völlig überflüssig. Dies belegt auch die praktische Arbeit der städtischen Wirtschaftsförderung. Aktuell bemühen wir uns - und da beziehe ich die Politik ausdrücklich mit ein - intensiv darum, ein auf Ausweitung seiner Tätigkeit angewiesenes Industrieunternehmen (USH) bei der Standortverlagerung innerhalb Hilchenbachs zu unterstützen. Gemeinsam, das haben die konstruktiven Gespräche mit den Geschäftsführern bisher gezeigt, werden der Betrieb und die Stadtverwaltung Lösungen suchen und erarbeiten.

Von Gleichgültigkeit kann also keine Rede sein und Gleichgültigkeit kann sich eine wirtschaftlich nicht gerade "auf Rosen gebettete" Stadt wie Hilchenbach gar nicht leisten, weder gegenüber Industrieunternehmen noch beim Einzelhandel oder Dienstleistern! Hilchenbach ist auf jeden Arbeitgeber angewiesen!

Allgemein anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass die städtische Wirtschaftsförderung in ständigem Kontakt zu unseren Unternehmern steht, Angebote wie die Zusammenarbeit mit der Uni Siegen macht, Unterstützungsbedarf abgefragt und Hilfe angeboten hat. Die Türen der Stadtverwaltung stehen offen, auch gerade um Kritik auf direktem Wege an der richtigen Stelle anzubringen.

Positive Entwicklungen werden von der IHK ignoriert!


Völlig in Frage stellt sich die Pressemitteilung dann bei den negativen Bemerkungen zu Gewerbeflächenplanung, Grundstückspolitik und Fernstraßenanbindung. Die Darstellung kommt mir vor, als wäre die Mitteilung aus der Schublade längst vergangener Tage gezogen worden und unglücklicherweise im Juni 2007 gelandet. Die geäußerte Kritik ignoriert völlig die positiven Entwicklungen in den letzten Jahren und Monaten. Beispielhaft verweise ich auf die drei folgenden wesentlichen Punkte der Wirtschaftsförderung: Erstens ist es uns nach längeren Bemühungen gelungen, den Grundstückspreis für das Gewerbegebiet Vordere Insbach deutlich zu senken, mit der Folge, dass die Zahl der Interessenten zunimmt und sich ein Unternehmen bereits für eine Ansiedlung entschieden hat. Zweitens haben wir bei der Gewerbeflächenplanung nach interkommunalen Alternativen Ausschau gehalten und gemeinsam mit Netphen die "Oberbach" als städteübergreifendes Gewerbegebiet ins Visier genommen. Eine Prüfung dieser Planung als - von der Südumgehung abhängige - mittelfristige Perspektive hat die Stadt Hilchenbach im Zuge der Überarbeitung des Regionalplanes angeregt. Auf das Ergebnis der Machbarkeitsstudie zur Fernstraßenentwicklung hat die Stadtverwaltung auch in sofern schnell reagiert, als die Ausweisung nicht benötigter Gewerbeflächen in Müsen zugunsten von Lützel oder anderer Gewerbeflächen aufgegeben wurde. Drittens ist zur überregionalen Verkehrsanbindung anzumerken, dass die von der IHK genannten "jahrelangen ergebnislosen Diskussionen über Nord- und Südumgehungen von Hilchenbach" schon seit 2006 ein Ergebnis haben. Die Stadt Hilchenbach hat sich eindeutig positioniert, in dem sie das Resultat der Machbarkeitsstudie als Marschrichtung anerkannt hat. Über diesen Grundsatzbeschluss hinausgehende Entscheidungen sind auch in Hilchenbach überhaupt erst möglich, wenn konkrete Vorschläge zur Umsetzung der Bundesfernstraße auf dem Tisch liegen.

Jammern nützt nichts - Mitarbeiten ist gefragt!


Unabhängig von diesen Maßnahmen, bleibt auch bei mir die Sorge um die Fakten, die die Stadt Hilchenbach kaum beeinflussen kann: Die Lage sowohl Hilchenbachs als auch des Gewerbegebietes Vordere Insbach sind nicht gerade Pluspunkte. Doch fest steht auch, dass diese ungünstigen Rahmenbedingungen nicht von heute auf morgen geändert werden können. Man kann Hilchenbach mitsamt seinem Gewerbegebiet nicht eben mal an die Autobahnzufahrt zum Beispiel nach Wenden verlegen. Insofern braucht es in Hilchenbach einen längeren Atem, um zum Erfolg zu kommen. Am wenigsten von Nutzen ist aber in dieser Situation, Dinge schlecht zu reden und zu jammern. Das Gegenteil würde ich mir wünschen: Anpacken und mitarbeiten, um die Entwicklung zu fördern, und darin sehe ich auch die Aufgabe der IHK, insbesondere auch im Interesse ihrer Hilchenbacher Mitglieder.

Ziel meiner Stellungsnahme ist ausdrücklich nicht, die Wirtschaftssituation Hilchenbachs zu beschönigen oder durchaus vorhandene Probleme unter den Teppich zu kehren.

Ich wehre mich aber dagegen, Hilchenbach schlechter zu machen als es ist. Daher empfinde ich die Pressemitteilung der IHK als Schlag ins Gesicht der Bevölkerung und der hier arbeitenden und sich einsetzenden Menschen, zu denen zweifelsfrei in besonderem Maße auch die Unternehmer zählen.

Hilchenbach hat eine derartige Kritik nicht verdient!


Die Reaktionen aus der Bevölkerung Hilchenbachs bis hin zu ortsansässigen Mitgliedern der IHK auf die Pressemitteilung haben mir gezeigt, dass ich mit meiner Ansicht über die unangemessen negative Darstellung Hilchenbachs nicht alleine stehe. Ich muss danach bezweifeln, dass die IHK bei diesem Vorgehen die Rückendeckung derer genießt, die von ihr vertreten werden.

Es kann nicht Aufgabe dieser Institution sein, in dieser Art eine generelle, teilweise den Tatsachen widersprechende öffentliche Kritik zu üben und einen Wirtschaftsstandort schlecht zu schreiben. Vielmehr erwarten die örtlichen Gewerbetreibenden und ich von der IHK sachliche Auseinandersetzungen und fördernde Vorschläge, wie sich Hilchenbach als attraktiver Wirtschaftsstandort für Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistung verbessern kann.

Dafür bin ich offen und dankbar. Insofern hoffe ich, dass die IHK für das Gespräch im August auf den Weg, Wirtschaftsentwicklung positiv zu gestalten und zu begleiten, zurückkehrt.

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