Stadt Hilchenbach

Gymnasium Stift Keppel

Gymnasium Stift Keppel

Schülerinnen und Schüler informierten sich über Armutssituation und Schulpolitik in Hilchenbach 


Die Behandlung des Themas Armut im Unterricht nahm Politiklehrerin Christina Pruß zum Anlass, mit Werner Krönert jemanden einzuladen, der etwas zur Situation in Hilchenbach sagen kann. Die Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Stift Keppel nutzten den Besuch des Fachbereichsleiters für Schulen und Soziales der Stadtverwaltung Hilchenbach dann allerdings auch, um etwas zur Schulpolitik in der Stadt am Rothaarsteig zu erfahren.
 
So erlebten die Jugendlichen ein neues Gesicht auf dem Lehrerplatz: Statt Christina Pruß stellte sich Werner Krönert 45 Minuten lang den Fragen der Schülerinnen und Schüler.

Ein neues Gesicht auf dem Lehrerplatz: Werner Krönert stellte sich 45 Minuten lang den Fragen der Schülerinnen und Schüler

Die Moderation der Unterrichtsstunde übernahmen Imke Gerhardt und Kevin Velleuer. Zusammen mit ihren Klassenkameraden der 9 b hatten sie sich Fragen überlegt, die schnell deutlich machten, wie intensiv sich die Jugendlichen mit einigen Themen nicht nur in der Schule auseinandersetzen. So war es nicht überraschend, dass Werner Krönert hier und da in die Zwickmühle geriet, wenn er erklären musste, warum die Kommunalpolitiker so entschieden haben, wie sie entschieden haben.

Unter anderem wollten die Gymnasiasten wissen, warum man keine Gesamtschule im Angebot habe, die die Möglichkeit biete, länger gemeinsam zu lernen. Werner Krönert bestätigte, dass die Nachfrage von Hilchenbacher Schülern nach dieser Schulform bestehe. Diese müssen sich an die Gesamtschulen in Siegen und Kreuztal wenden, wobei erfahrungsgemäß einige dort abgewiesen werden, weil kreisweit mehr Interessenten da sind als es Plätze gibt. Für Hilchenbach habe sich die Frage der Einrichtung einer Gesamtschule bei der vor einigen Jahren erfolgten Neugestaltung der Schullandschaft so nicht gestellt, da klares kommunalpolitisches Ziel die Einrichtung der Realschule gewesen sei. Die Frage, ob man seinerzeit diese Alternative zu wenig diskutiert habe, beantwortete der Fachbereichsleiter mit dem Hinweis, dass kommunalpolitische Mehrheiten für diese Schulform nicht vorhanden waren. Fest stehe jedenfalls, dass die Diskussion im Hinblick auf eine Gesamtschule für Hilchenbach jetzt nicht mehr geführt werden könne.

Die Schüler hakten nach: "Warum hat man die Zusammenlegung der Hauptschulen nicht für die Einrichtung einer Verbundschule genutzt?" Hierzu verweis Werner Krönert darauf, dass diese organisatorische Zusammenlegung von Haupt- und Realschule seinerzeit erst eine sehr neue Überlegung gewesen sei. Mittlerweile habe die große und kleine Politik aber mit Blick auf die sinkenden Schülerzahlen erkannt, dass Verbundschulen eine ernstzunehmende Möglichkeit sind. Letztlich sei abzuwarten, welche Schulpolitik nach den Landtagswahlen im Mai vorgegeben werde. Dies gelte übrigens auch für das Modell der Sekundarschule beziehungsweise Gemeinschaftsschule, wo eine Trennung der Schüler erst deutlich später als nach dem 4. Schuljahr vorgesehen sei, weil die persönliche Entwicklung in diesem Alter noch andauert.

Deutlich wurde in der Diskussion, dass auch innerhalb der Schülerinnen und Schüler die Meinungen, welches das "richtige" Schulsystem sei, auseinander gehen. So sprachen sich einige Jugendliche durchaus für eine frühe Trennung der Kinder aus, da diese ihres Erachtens eine größere individuelle Förderung des einzelnen Schülers ermögliche. Werner Krönert betonte, dass es letztlich Aufgabe jeder Schulpolitik unabhängig von Systemen sei, das Problem zu lösen, dass weniger Schüler weniger Lehrer und damit weniger Fächervielfalt bedeuten.

Zur Abrundung des Themas "Schule" fragten die Schüler Werner Krönert nach seiner Meinung zu G8. Der Fachbereichsleiter verwies darauf, dass bei der Verkürzung der Schullaufzeit des Gymnasiums seines Erachtens die Auswirkungen des notwendigen Nachmittagsunterrichts auf das Vereinsleben zu wenig bedacht worden sind. Außerdem entsteht ein zusätzlicher Leistungsdruck für die Schülerinnen und Schüler. Aufgrund der ersten Erfahrungen, die man nun mit G 8 mache, könne er sich vorstellen, dass Anpassungen notwendig sein werden.

Das Schule und Armut irgendwie zusammen gehören, machte Werner Krönert bei der Überleitung zum zweiten Schwerpunkt der Fragestunde deutlich: "Der Familienbericht zeigt klar, dass je geringer der Bildungsgrad ist, desto größer ist das Armutsrisiko." Erste Aufgabe für die Stadt Hilchenbach im Kampf gegen die Armut ist daher, allen Kindern und Jugendlichen eine gute Schulbildung zu ermöglichen. Und in diesem Bereich hat die Stadtverwaltung in den letzten Jahren viel getan, betonte Werner Krönert.

Die Schüler interessierte allerdings auch, was die Stadtverwaltung sonst noch unternimmt, um die Armutssituation vor Ort zu verbessern. Der Fachbereichsleiter machte deutlich, dass Vorbeugung wichtig ist. Durch Angebote für Jugendliche und Familien will man erreichen, dass Armut möglichst nicht entsteht. Bestes Beispiel ist die Entwicklung von Kindertagesstätten zu Familienzentren. Diese zeichnen sich durch eine viel stärkere Einbindung in die gesellschaftliche Entwicklung und eine intensive Familien- und Elternarbeit aus. Konkret wollte ein Schüler wissen, ob die aktuelle Wirtschaftskrise in Hilchenbach zu mehr Armut führe. Dies konnte Werner Krönert für den Moment noch nicht bestätigen, da viele Firmen zunächst von der Kurzarbeit Gebrauch machten. Erst eine wachsende Arbeitslosigkeit würde die Situation verschärfen. Allerdings sei Arbeitslosigkeit nicht sofort mit Armut gleich zu setzen, denn "Arbeitslosigkeit trifft nicht nur Arme"!

Aktualität spielte auch bei der nächsten Frage eine Rolle: Die Stadt Kreuztal hat ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit ausgesprochen. Ist das auch für unsere Stadt vorgesehen? Werner Krönert betonte, dass Hilchenbach kein so großes Alkoholproblem habe, dass Verbote und Bußgelder nötig sind. Die Stadtverwaltung setze auch in diesem Aufgabenbereich eher auf vorbeugende Maßnahmen. Die beiden Beschäftigten der städtischen Jugendpflege führen Gespräche mit Jugendlichen und die Jugendzentren bieten ihren Besuchern bewusst gesunde Ernährung mit viel Obst und kostenlose, alkoholfreie Getränke an. Für dieses Engagement sind die Jugendzentren sogar mit einem Gut Drauf-Zertifikat der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ausgezeichnet worden.

Wichtig sei allerdings auch, dass Erwachsene Vorbilder sind. Diesen Hinweis des Fachbereichsleiters griff ein Jugendlicher sofort auf, um einen Widerspruch aufzuzeigen: "In Kreuztal ist der Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit einerseits verboten, aber zu großen Festen soll dann reichlich getrunken werden."

Abschließend blieb Werner Krönert auch eine Antwort auf die etwas persönlichere Frage, ob ihn ein Beruf, in dem man viel mit Armut zu tun hat, abhärtet, nicht schuldig. In allen helfenden Berufen ist Nähe und Distanz nötig, das heißt man muss sich in die Situation des hilfebedürftigen Menschen eindenken und das Beste für ihn tun, aber mitleiden darf man nicht, fand der Fachbereichsleiter ein bedenkenswertes Schlusswort, genau in dem Moment, wo das Schellen diese außergewöhnliche Schulstunde beendete.

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Schülerzahl: 834
(Stand: 1. März 2011)