Stadtarchiv
Stadtarchiv Hilchenbach
Vom Verbünden und Verbinden:
Regionale Fortbildung zur Notfallprävention und -bewältigung in den südwestfälischen Archiven
Nach den schweren Schäden an Archivgut durch das Elbehochwasser im Jahr 2002 fand zwei Jahre später eine erste, sensibilisierende Fortbildung zur Notfallprävention und -bewältigung für Archive in Siegen statt. Eine Konsequenz daraus war, dass der Kreis Siegen-Wittgenstein archivische Notfallboxen für das Kreisarchiv in Siegen und das Stadtarchiv in Bad Berleburg ankaufte.
Jetzt veranstalteten Dr. Marcus Stumpf, Leiter des LWL-Archivamtes für Westfalen, und Birgit Geller, Leiterin der Restaurierungswerkstatt des Archivamtes, die zweite Fortbildung dieser Art in Siegen. Inhaltliche Schwerpunkte waren die Bildung von Notfallverbünden sowie praktische Notfallmaßnahmen.
19 Archivare aus Siegen-Wittgenstein, darunter der Hilchenbacher Stadtarchivar Reinhard Gämlich (im Foto rechts), sowie den Nachbarkreisen Olpe und Märkischer Kreis nahmen an dem Seminar teil. Als „Exoten" durfte Kreiskulturreferent Wolfgang Suttner den Universitätsarchivar aus Köln im Medien- und Kulturhaus Lÿz begrüßen.
„Nach dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln stellt sich für Archive nicht mehr die Frage, ob Notfallvorsorge nötig ist. Es geht vielmehr für jedes einzelne Archiv darum, so rasch wie möglich ein für das eigene Haus maßgeschneidertes Notfallkonzept zu erarbeiten und sich mit anderen in regionalen Notfallverbünden zusammenzuschließen", so Dr. Marcus Stumpf.
Das Seminar führte in die wesentlichen Aspekte der Notfallplanung ein: Dr. Stumpf stellte Methoden der Risikoanalyse und Maßnahmen der Risikominimierung vor. Musteralarmierungs- und Ablaufpläne wurden diskutiert. Ein zweiter Block nahm organisatorische und rechtliche Aspekte bei der Bildung von Notfallverbünden in den Blick. Die bereits bestehenden Notfallverbünde in der Stadt Münster und im Hochtaunuskreis wurden beispielgebend besprochen.
Im dritten Teil der Fortbildung demonstrierte Birgit Geller konkrete Notfallmaßnahmen aus jüngster Zeit, zum Beispiel den Wasserschaden im Stadtarchiv Blomberg im Februar 2010. Zuletzt übten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das richtige Verpacken von nassem Archivgut.
Ziel der Veranstaltung war es, die Teilnehmer für die eigene Notfallvorsorge und -planung und für die Mitarbeit in den hier noch zu bildenden, regionalen Notfallverbünden zu rüsten.
Wie Reinhard Gämlich als Ergebnis der Veranstaltung berichtete, ist dies gelungen, denn die Archive des Kreises Siegen-Wittgenstein haben sich entschieden, einen "Notfallverbund" zu gründen. Der Kreisarchivar wird sich dafür erst einmal mehrere vorhandene Notfallvereinbarungen ansehen und seinen Kollegen einen Vorschlag unterbreiten.
Für das Stadtarchiv in Hilchenbach geht Reinhard Gämlich davon aus, dass es baulich keine Probleme geben dürfte: "Wir sind recht gut ausgestattet, zum Beispiel mit Metallregalen, Feuerlöschern, Brandmeldern, Wasserstandsanzeiger sowie einer Einbruchmeldeanlage. Als seine Hauptaufgabe sieht Reinhard Gämlich daher zunächst darauf hinzuwirken, dass möglichst fast alle Archivalien in Kartons verpackt werden, auch wenn diese noch nicht aufgearbeitet wurden: "In Köln hat sich gezeigt, dass gerade Archivalien, die in Kartons verpackt waren, weniger Schäden aufwiesen", macht der Hilchenbacher Stadtarchivar deutlich, dass gerade die schlimmen Schadensfälle der jüngeren Vergangenheit am lehrreichsten und beispielgebend sind für die richtige Notfallplanung.
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