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22. Dezember 2021

Arbeitskreis BARRIEREFREI Hilchenbach

"Engel der Straße" - Bericht von Crescentia Hofius

Cresentia Hofius ist ein langjähriges Mitglied des Arbeitskreises BARRIEREFREI in Hilchenbach.

Sie berichtet in einem Brief an die Stadt Hilchenbach von einem nicht alltäglichen Vorfall während Ihrer Probefahrt mit dem neuen Elektro-Rollstuhl von Helberhausen nach Hilchenbach:

"Mein Name ist Crescentia Hofius, ich bin Bewohnerin im Alten- und Pflegeheim Haus Abendfrieden in Hilchenbach-Helberhausen. Durch meine Krankheit (Multiple Sklerose) bin ich an den Rollstuhl gefesselt.

Ich hatte eine Begegnung, die in meinen Augen nicht selbstverständlich ist. Ich war mit meinem neuen Elektro-Rollstuhl zur Probefahrt von Helberhausen nach Hilchenbach unterwegs und wollte zu den „KlimaWelten" auf den Kirchberg in Hilchenbach fahren, dort hatte ich einen Kurs belegt. Auf der Fahrt dorthin habe ich es mir anders überlegt, denn ich wusste nicht, wie lange und wie weit der Akku meines neuen Rollstuhls das mitmacht. So fuhr ich erst in den Drogerie-Markt in der Herrenwiese in Hilchenbach, dort traf ich mehrere Bekannte.

Ich verabschiedete mich nach kurzer Zeit von den Leuten, denn die Kirchenglocken läuteten die Mittagszeit ein. So fuhr ich um diese Zeit Richtung Helberhausen, Haus Abendfrieden zurück. In Höhe Freibad/Tennisplatz wollte ich auf den Bürgersteig fahren, das gelang mir aber nicht, denn Hilchenbach hatte Müll-Abfuhr-Tag und der Bürgersteig war voll mit Mülleimern, also blieb ich auf der Straße.

Nach ein paar Metern Straße gab es rechts auf dem Bürgersteig eine kleine Lücke zwischen den Mülleimern. In dem Moment kam eine junge Frau angefahren und fuhr in diese Lücke.  Ich dachte so bei mir „jetzt musst Du auch noch in diese Lücke fahren", schon stieg die junge Frau aus dem Wagen und kam auf mich zu und sagte zu mir, ,,ich habe Angst um Sie wie Sie bei diesem Verkehr mit dem Rollstuhl auf der Fahrbahn fahren". Ich sagte zu ihr „auf dem Bürgersteig habe ich keinen Platz gefunden, in Hilchenbach ist Müll-Abfuhr-Tag, aber um mich brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen, ich bin schon „Erwachsen" und ich habe lange Erfahrung mit Autofahrern. "Nein", sagte sie, "ich mache mir wirklich Sorgen, dann fahre ich jetzt die ganze Strecke hinter Ihnen her, ich kenne mich hier aus, ich wohne hier an der Straße und bekomme jeden Tag den Verkehr hier mit, wie die Autos- und die Motorradfahrer hier lang rasen. Ich gab mich geschlagen und so fuhren wir wie in einem Konvoi bis zum Haus Abendfrieden in Helberhausen.

Dort angekommen, fragte ich die junge Frau nach ihrem Namen. Ich sagte zu ihr, dass ich Sie zum „Engel der Landstraße" ernenne. Auf dem Weg habe ich viel Zeit zum Nachdenken gehabt und ich wollte einen Bericht von unserer Begegnung an die Zeitung geben. Sie gab mir ihren Namen und ihre Telefonnummer. Ich fragte sie, ob ich ihren Namen in meinem Bericht nennen darf, das bejahte sie. Ihr Name ist Antje Krämer. Als wir uns dann trennten sagte sie mir noch, sie wäre immer zu Hause, wenn ich Hilfe brauchte sollte ich sie anrufen, sie wäre sofort zur Stelle.

Später im Haus Abendfrieden beim Abendessen kam eine Angestellte aus der Küche und zeigte mir auf ihrem Smartphone ein Bild von mir auf dem Rollstuhl fahrend, von hinten fotografiert. Ich fragte sie sofort, ob sie mir das Bild auf mein Tablet senden könnte. Sie sagte es mir zu. Angekommen ist bei mir das Bild mit dem Foto „Rollstuhlfahrerin von hinten" und der Tachoscheibe mit der Anzeige „5 km/h" direkt daneben. Leider kann ich dieses Bild nicht drucken, nur davon berichten, denn wir sind hier in Helberhausen von der Welt des Internet abgeschnitten und damit muss ich schon seit meinem Einzug nach einem Unfall vor sieben Jahren hier leben.

Es wäre nett, wenn Sie von diesen guten Taten der jungen Frau berichten könnten.

Herzliche Grüße und frohe Weihnachten!

Cresentia Hofius, Haus Abendfrieden Hilchenbach-Helberhausen"

(Bericht von Cresentia Hofius)