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23. November 2016

Gymnasium Stift Keppel

Keppels Küchenkonzert No.1

East meets West in der Stiftsküche

Eine Veranstaltung im Rahmen der landesweiten Woche des Respekts vom 14. bis 18. November 2016

Konzert in der Küche. Das ist keineswegs bloß eine Laune. Vielmehr eine Notwendigkeit, zumindest an vielen Orten der Erde, wo der öffentliche Raum kaum noch betretbar ist, weil Krieg und Terrorismus jeden mit dem Tod bedrohen, der hinausgeht – und sei es bloß um ein Lied zu singen oder Gitarre zu spielen. Oder zuzuhören.

Die Goethe-Institute in der Region Nordafrika/Nahost präsentieren 2016 Live-Performances in Privaträumen. Im Rahmen der NRW-weiten Woche des Respekts hat gestern Abend eine Arbeitsgruppe am Gymnasium Stift Keppel selbst ein kleines Küchenkonzert auf die Beine gestellt, um den Menschen in dieser von Kriegen und Krisen gezeichneten Region ihren Respekt zu erweisen. Jugendliche mit Flüchtlingserfahrung, die in Keppel zur Schule gehen, standen dabei selbst auf der improvisierten Bühne, gemeinsam mit deutschen Schülerinnen und Schülern und Profimusikern aus dem Umfeld der Schule. Das Goethe Institut Ramallah und seine Leiterin Laura Hartz standen dafür Pate, denn dort im Gaza-Streifen laufen die Fäden des „großen“ Küchenkonzert-Projekts zusammen.

Junge Musikerinnen und Musiker sowie erfahrene Bands bieten dort eine breite Palette von traditionellem Liedgut bis hin zu Arabic Alternative Rock. „Denn“, so Schulleiter Dr. Jochen Dietrich, „man kann nicht einfach aufhören, Kunst und Musik zu machen, bloß weil draußen die Verrückten toben. Denn dann hätten die gewonnen.“

Auf der Bühne in Keppels Stiftsküche standen unter anderem der Cellist Gérman Prentki mit einem zeitgenössischen Werk, der Suite Pantomime von Randall Ruback und der 15jährige Ronyar Bakar aus Syrien mit Improvisationen auf der Têmbur, einem Saiteninstrument. Die eigens zu diesem Anlass gebildeten Ensembles aus Lehrern, Eltern und Schülern spielten Abbwechslungsreiches zwischen Jazz und Klassik. Martin Kolfhaus sorgte mit dem Solowerk Suomineito am Vibraphon für einen weiteren Höhepunkt.

Zwischen den Auftritten kamen auch die anderen Sinne und Künste zu ihrem Recht. Fawzyar Al Tuhma stellte Zeichnungen vor, in denen sie ihren Weg von Irak nach Deutschland bearbeitet hat; ihr Vater unterhielt das Publikum mit einem Mini-Sprachkurs und vermittelte auf diese Weise eine Ahnung von den Schwierigkeiten des Spracherwerbs. Hedaya Samehni trug ein Gedicht zum Thema Heimat und Verlust vor, in arabischer Sprache und dann in eigener deutscher Übersetzung. Und zu essen gab es auch, schließlich war man in der Küche. Arabisch, was sonst.

Auf das Küchenkonzert No.1 werden weitere folgen, darin waren Veranstalter und Publikum sich abschließend einig. Auch wenn hierzulande der öffentliche Raum sicher ist – woanders wird es weiterhin Mut erfordern, ihn zu erobern. Anlässe, um Respekt zu zeigen, werden uns nicht so bald ausgehen.