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16. Juli 2018

Unser Dorf hat Zukunft

Geschafft! – Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ am 3. Juli 2018 in Müsen

Auf den Punkt genau kam die Kommission mit Bürgerinnen und Bürgern, Dorfgemeinschaft, Vereinen und Mitarbeiterinen und Mitarbeitern der Stadt Hilchenbach in der Endstation Bürgerhaus an.

Jetzt aber erstmal zurück an den Anfang.

Seit Monaten arbeiteten die Müsenerinnen und Müsener auf diesen Tag hin. Müsen ein „Dorf mit Charakter“, aber auch mit Zukunft?

Das haben sie am 3. Juli, bei sonnigen Temperaturen, innerhalb von nur zwei Stunden gezeigt. Es ging tief nach unten, aber auch wieder hoch hinaus. Nachdem die Generalprobe am Samstag nicht so gut lief, war die Bereisungszeit am Dienstag zwischendurch sogar im Plus.

Los ging es am Natureinrichtungshaus Bensberg. Dort hatten sich schon einige Bürgerinnen und Bürger versammelt und warteten auf den Reisebus der Kommission. Dieser kam auch pünktlich gegen 14.00 Uhr an. Begrüßt wurden die Mitglieder durch Rainer Fränzen, der sich als Zeitungsbote ausgab und mit den Rufen „Extrablatt“ die Dorfzeitung verteilte.

Offiziell eröffnete Klaus Rieke mit einem kurzen „Willkommen in Müsen“. Danach begrüßte Dr. Waldemar Gruber, Geschäftsführer des Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“, die Müsener und stellte die Mitglieder vor. Die Kommission, insgesamt bestehend aus 40 Leuten, reist schon seit einem Monat durch ganz Nordrhein-Westfalen und sucht das Dorf mit Zukunft. Nach dieser Begrüßung folgte die Ansprache durch den Landrat Andreas Müller. Dieser sagte mit einem Augenzwinkern, „Müsener regt euch nicht auf, ihr macht das schon!“. Bürgermeister Holger Menzel schloss sich an und betonte, dass er mit zwei schlagenden Herzen dabei ist: einmal als Bürgermeister der Stadt Hilchenbach und als Bewohner Müsens.

Nun gilt es, die Zeit läuft und gestartet wurde mit dem Themenbereich Konzeption und deren Umsetzung. Hans-Jürgen Klein, Fachbereichsleiter Bürgerdienste von der Stadt Hilchenbach, stellte den kommunalpolitischen Arbeitskreis und die Projekte im Dorf vor: Von Gehölzfibel über Integrationskonzept, Müsener Dorfgemeinschaftskonzept oder Integriertes kommunales Entwicklungskonzept sowie Goldpost und Müsener für Müsener. Im Dorf ist viel los und jeder trägt seinen Teil dazu bei. Anschließend unterrichtete Ulrich Bensberg über die wirtschaftliche Entwicklung des heutigen Hilchenbacher Stadtteils. Er erzählte von den vielen Handwerkern im Ort und ist stolz auf seinen Familienbetrieb in Müsen. Außerdem betonte er, dass es in Müsen rund 100 angemeldete Gewerbebetriebe gibt. Der industrielle Wandel vom Bergbau zur modernen Industrie wurde gemeistert.

Danach ging es weiter an der Hauptstraße, an dem Lädchen „Kleiner Konsum“ vorbei, zur Kirche. Immer dem roten Schirm von Klaus Rieke hinterher. Vor der Kirche spielten Kinder mit Holzreifen oder Gummitwist. Drinnen erwartete die Kommission ein extra für diesen Tag produzierter Film von Rainer Fränzen. Es wurde gelacht und applaudiert, nachdem die Stimme aus dem „Off“ sagte: „Ob wir gewonnen haben oder nicht, ist doch eigentlich egal. Müsen hat Zukunft“.

Weiter ging es zur Dorfmitte. Vorbei an dem Dorfinformationspark und den vielen Fachwerkhäusern. Da ist auch schon die nächste Station. Verena Hof-Freudenberg informierte darüber, wie Müsen es geschafft hat, alte Häuser nicht leerstehend zu lassen und zeigte einen ehemaligen Stall, der nach historischem Vorbild für eine neue Nutzung umgebaut wird. Ortsheimatpfleger Rüdiger Andreeßen versah das Fachwerkhaus mit einem Namensschild. Dieses enthält Informationen und einen QR-Code. Anschließend sorgte Mineralwasser für eine Abkühlung zwischendurch.

Vorbei an Melusine und Wolfgang Herrig, die einen Versorgungskasten farblich gestalten, setzte sich die Reise fort Richtung Stollen.

Dort ging die Abkühlung weiter. Helm auf und rein ging es über die steile Treppe nach unten. „Untertage“, wie es die Müsener nennen. Die Kommission bekam einen Einblick in die Müsener Geschichte. Der Bergbau prägt über Jahrhunderte das Leben im Dorf. Am Ausgang wartete schon die nächste Station. Dort stand der Altenberg- und Stahlbergverein bereit und stellte sich vor. Rolf Müller erzählte unter anderem, dass rund 70 Menschen den Stollen und drumherum alles in Schuss halten – das beeindruckt.

Für einen weiteren Höhepunkt sorgte mal wieder Rainer Fränzen. Der Zugezogene hat schon viel Anerkennung im Dorf gefunden und eins seiner aktuellen Projekte ist die „Alte Menage“ gegenüber dem Stahlbergmuseum. Die Kommission wurde in das Gebäude reingeführt. Auf einmal schob man einen Teppich beiseite, Luke auf und ein Sarg erschien. In ihm lag Rainer Fränzen. Er berichtete über sein Vorhaben, unter anderem einen „Escape-Room“ einzurichten.

Jetzt, nach der Hälfte der Zeit, ging es hoch auf die Höh: mit dem alten Schulbus des Hilchenbacher Moonshine Limousinenservice. Drinnen ausgestattet mit Kuhfell und Tanzstange, sitzt die Kommission und genießt die Fahrt mit Mallorca-Musik. Auf der Strecke berichteten Klaus Rieke und Ulrich Bensberg über die Gewerbehallen im SIE-Park, das Rockmobil und den Friedhof.

Am Weg gab es dann einen kurzen Zwischenstopp bei den Müsener Bären, die sich der Kommission vorgestellt haben.

Oben angekommen, auf der „Flaniermeile“, warteten die Grundschüler/innen und Tomas Irle mit ihrer Bildungsinsel. Tomas Irle, der das Projekt ins Leben gerufen hat, erläutert seine Idee und deren Hintergrund. Anschließend verteilten die Grundschülerinnen und Grundschüler selbstgemachte Lesezeichen an die Kommissionsmitglieder und die weiteren Teilnehmenden. Dirk Setzer informierte über die Grüngestaltung am Fuße der Martinshardt und die Entwicklung der unterschiedlichen Bäume. Außerdem hat er auf die Begrünung des Hangs vor 86 Jahren hingewiesen.

Auf dem Weg nach unten, Richtung Zielgerade, wurde die Kommission musikalisch mit der Melodie „Auld Lang Syne“ durch den Dudelsackspieler Daniel Thiel begleitet.

Dann ging es in die kühle vereinseigene Turnhalle des TuS Müsen. Dort erläuterte Christoph Schütz das Vereinsleben und die ganze gestemmte ehrenamtliche Arbeit. Außerdem berichtete er über ein Projekt, welches vor zwei Jahren entstanden ist, aber jetzt auch wieder eingestampft wurde: „Refugees welcome“. Die Neuen sind geblieben und zwar als ganz normale Vereinsmitglieder. Insgesamt über 800 Sportlerinnen und Sportler genießen das Vereinsleben.

Draußen auf der Laufbahn sang die evangelische Kindertagesstätte aus Müsen noch ein Lied, bevor es auf die Zielgerade ging.

Mit Blick auf die Uhr machte sich bei den Müsenerinnen und Müsernern Erleichterung, aber auch nochmal eine kurze Anspannung breit. Los ging es zur vorletzten Station: Das größte Naturfreibad Südwestfalens. Dort erzählte Norbert Hammes, dass die Arbeit und die Badeaufsichten im Freibad, einfach alles, auf ehrenamtlicher Basis passiert und der TuS Müsen auf die Besucher angewiesen ist. Gerne hätte man einen kurzen Sprung ins kalte Wasser gewagt.

Doch nun ging es auf die Zielgerade. Die letzte Station. Mit Blick auf die Uhr wussten jetzt alle: das wird eine Punktlandung. Durch den mit Stöcken gebildeten Tunnel der Walking-Gruppe kam die Kommission im Bürgerhaus an. Der Musikverein und der Spielmannszug spielten auf. Drinnen unterrichtete Garvin Müller über das Bürgerhaus und den neu entstandenen Verein: die Dorfgemeinschaft. Christine Dittrich-Kratzig von der Backesgruppe erzählte unter anderem von deren "Gässchenfesten". Anschließend stellte die Walking-Gruppe ihre „Gedanken-Bank“ vor und sang ein Liedchen.

Geschafft! 120 Minuten sind rum und zunehmend wurden die Müsenerinnen und Müsener gelassener und ruhiger.

Dr. Waldemar Gruber lobte Müsen: „Als es hieß, Müsen ist abgebrannt, da dachte ich: Ach, dann sind wir hier in 30 Minuten durch. Ein Dorf, das sich so kümmert, ist auf einem sehr guten Weg. Sie haben schon gewonnen.“

Ob Müsen wirklich gewinnt, entscheidet sich am 9. September 2018. Es geht um Gold-, Silber- und Bronzeplaketten sowie Geld- und Sachpreise.

Ein großer Dank geht auch an alle Bürgerinnen und Bürger, die den Tag begleitet haben und gezeigt haben: Müsen hat Zukunft!

Zur Bildergalerie über die Bereisung in Müsen, beim Landeswettbewerb am 3. Juli 2018