Seiteninhalt
04. Juli 2017

Wer soll dich nach der Party nach Hause fahren?

„Ein alkoholisierter Autofahrer überholt trotz Gegenverkehr und rammt ein mit sechs Personen überfülltes Fahrzeug in die Böschung. Drei der Insassen sterben noch am Unfallort. Die Erstversorgung der Überlebenden wird mehrere Stunden dauern. Der alkoholisierte Unfallverursacher überlebt den Zusammenstoß. Spät in der Nacht wird er mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht“.

Diese Zitate stammen von Thomas Schadt, einem Kameramann und Filmautor, der Mitte der neunziger Jahre den Siegener Rettungshubschrauber „Christoph 25“ bei seinen Einsätzen begleitete und dazu die Dokumentation „Eiserne Engel – Luftrettung in Deutschland“ erstellte.

Dieser letzte Einsatz in der Dokumentation erzählt die tragische Geschichte aus dem an Wittgenstein angrenzenden hessischen Hinterland. Dort sterben infolge eines entsetzlichen Alkoholunfalls drei junge Menschen in den Trümmern ihres Autos.

Preisgekrönt mit der erstklassigen Dokumentation „Der Autobahnkrieg“ wurde der Profi auch mit den Eisernen Engeln berühmt. In einem Interview, das im Anschluss an die Dokumentation in der ARD ausgestrahlt wird, berichtet Schadt über seine Eindrücke bei dem schweren Verkehrsunfall im Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Dieser Alkoholcrash, der drei junge Menschen das Leben kostete, wurde einem Millionenpublikum präsent. Dieser Einsatz hatte nicht nur den Filmemacher selbst, sondern auch viele seiner Zuschauer entsetzt und viele Menschen, die in der Öffentlichkeit nicht vorkommen, geschockt. Angehörigen den Boden unter den Füßen weggezogen, das Leben für immer und höchstdramatisch verändert.

Hier wurde der Bevölkerung durch die Fernsehdokumentation fast die ganze Härte eines solchen Ereignisses vor Augen geführt und näher gebracht. Vielleicht hat das damals zum nachdenken angeregt. Vielleicht.

Die Wirklichkeit wird gezeigt und hat so einen Ruck ausgelöst in den Menschen, die den Filmbeitrag, der leider spät in der Nacht gesendet wurde, gesehen haben. Einmal kurz aber prägnant wurde vor Augen geführt, welche Gefahren von einer Alkoholfahrt ausgehen und welche verheerenden Folgen es haben kann, wenn man sich nach Alkoholgenuss hinters Steuer setzt.

Oftmals führen solche Berichte – egal ob in bewegten Bildern oder in Printmedien auch zu Protesten. Dahingehend, dass der Sachverhalt nicht korrekt oder überzogen dargestellt worden ist. Oder es wird direkt verlangt, dass im Internet erschienene Beiträge sofort entfernt werden. Warum? „Weil es eine Unverschämtheit ist, das so zu schreiben“. Oder „es eine absolute Frechheit ist, eine solche Überschrift zu wählen“. Man muss sich dann sogar fragen lassen, ob man: „Etwa noch nie mal ein paar Bier getrunken hat und dann ins Auto gestiegen ist“. Es wird mit Anwälten gedroht, sollte man diesen Artikel nicht stornieren. Wohlgemerkt: Es wird erst dann berichtet, wenn es bereits zu Ausfällen oder Unfällen gekommen ist. Eine „normale“ Trunkenheitsfahrt, die von der Polizei gestoppt wird, wird meist gar nicht erwähnt.

Ertappte Fahrer, die unter Alkohol erwischt werden, oder einen Unfall verursacht haben, sind immer Opfer. Schuld sind immer die anderen. Die Polizei, andere Verkehrsteilnehmer und in jedem Falle der, der es öffentlich macht. Dass der Fehler beim Alkoholfahrer liegen könnte, ist absurd zu behaupten.

Alkoholunfälle wären zu 100% vermeidbar. Viele Menschen könnten noch leben, viel Leid könnte verhindert werden, wenn alle Menschen so viel Verstand und Anstand im Kopf hätten, zu wissen, dass es nur einen Weg gibt: Kein Alkohol beim Autofahren!