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Information zum Zustand des Waldes in den KilmaWelten

Forstamtsleiter Diethard Altrogge: "Für den Wald ist es fünf nach Zwölf!"

Auf Einladung der Hilchenbacher Grünen referierte Diethard Altrogge, Forstamtsleiter des in Hilchenbach ansässigen Regionalforstamtes Siegen-Wittgenstein, am vergangenen Montag in den Räumlichkeiten der KlimaWelten über den Zustand und die Zukunft unserer Wälder im "Klimastress". Nach einem kurzen Überblick über die über 200-jährige Geschichte und die Aufgaben des Forstamtes kam Altrogge zur Sache: Der aus den 80-er Jahren stammende Begriff des Waldsterbens sei zurück, mit dem Unterschied, dass das Baumsterben nun in bisher unbekannter Geschwindigkeit vonstatten gehe. Keineswegs sei davon nur die Fichte betroffen, sondern auch viele Laubbäume, unter ihnen die heimische Buche.

Der Klimawandel beschere uns immer neue Jahrhundertsommer mit hohen Temperaturen und langen Trockenperioden, was den Schädlingsbefall der Bäume begünstige. Insbesondere der Borkenkäfer sei hier zu nennen, der ganze Waldareale zerstöre. Wie eine Plage ziehen die Borkenkäfer von einem Waldstück zum nächsten und machten dem Wald so den Garaus. "Der Wald, wie wir ihn seit Jahrhunderten kennen, stirbt. Zwar wird es andere Wälder auch weiterhin geben, aber wir werden unsere Landschaften schon bald nicht mehr wiedererkennen. Für den Waldbesitzer ist dieser Verlust mit enormen wirtschaftlichen Verlusten verbunden. Das gilt auch für den Staatswald."

Auf die Frage, was nun zu tun sei, erklärte Altrogge, dass es kein einfaches Rezept gebe: "Unsere Wälder sind überaus komplexe und sehr langfristig ausgelegte Systeme. Selbst die Wissenschaft lernt täglich dazu. Einmal zerstörter Wald ist zunächst unwiederbringlich verloren. Ob die Fichte eine Zukunft hat, ist fraglich. Welche aus anderen Regionen der Erde stammenden Baumarten sie ersetzen können, ist noch nicht ausgemacht. Vermutlich müssen wir die Fortwirtschaft der Zukunft ganz neu denken", gab Altrogge zu bedenken: "Dabei spielt der naturbelassene, gemischte und strukturreiche Wald eine besondere Rolle. Und auch das Verhältnis von Wild und Wald gehört auf den Prüfstand."

Die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer, darunter viele unmittelbar Betroffene, wollten wissen, was angesichts des Waldsterbens zu tun sei. Altrogge: "Die Ursache dieser Katastrophe ist unstrittig: Die Klimakrise legt die Axt an unsere Wälder. Ich bin jedoch nicht hier, um den Menschen Verhaltensregeln zu diktieren. Aber eine persönliche Erfahrung will ich Ihnen nicht verschweigen: Es sind meine eigenen Kinder, die mich immer wieder dazu bringen, mein Verhalten zu überprüfen. Fliegen kommt z.B. für unsere jüngste Tochter nicht mehr in Frage. Die Andere ernährt sich vegetarisch. Sie machen ernst und sie zwingen uns dazu, auch selbst ernst zu machen mit der Menschheitsaufgabe namens Klimawandel. Fragen Sie also selbst Ihre Kinder, was zu tun ist - sie werden es Ihnen sagen."

Nachricht vom 25. September 2019 (Foto und Bericht des Stadtverbandes "Grüne Hilchenbach")