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Stadtmuseum

Lohe, Leim und Löffel – Erste Stadtmuseumsführung mit Michael Thon

21 Gäste waren gekommen um an der ersten Führung am 28. April, im Stadtmuseum in der Wilhelmsburg teilzunehmen.

Einleitend gab Michael Thon ein paar Worte zum Gebäude, das Mitte des 14. Jahrhunderts noch in Besitz des Kölner Erzbischofs war, bevor es letztendlich 1623 in den Besitz der Nassauer Grafen kam, um Wilhelm als Erbe und Namensgeber der Burg seinen Stammteil als Erbe zukommen lassen zu können. Das heutige Gebäude wurde in seinem Kern 1776 als Amtshaus errichtet und 1982 auf dem Bestand des Heimatmuseums Allenbach von Lehrer Paul Benfer aufbauend als Stadtmuseum neu eingerichtet.

„Hilchenbach liegt am Fuße des Rothaargebirges. Hier treffen mehrere Verkehrswege vom Gebirgskamm kommend mit dem Weg aus dem Ferndorftal zusammen. Durch den Abbau von Silber und Eisen hat sich hier nach 1500 ein Zentrum für die Metallverarbeitung, Händler, Fuhrleute, Gastwirte, Krämer, Gerber, Köhler und Folgegewerbe entwickelt. Unter den Nassauer Grafen blühte die Stadt auf. Wegen des Klimas ist das Siegerland idealerweise Wald- und Weideland, und zur Nutzung als Ackerland benachteiligt. Hungersnöte wie die von 1831 sind heute kein Thema mehr“, erzählt der Museumsführer. 

Mit Wilhelm Münker, dem Begründer des Jugendherbergswerkes, Carl Kraemer, dem Vater des deutschen Tierschutzgesetzes und Jung-Stilling, dem Augenarzt, Schriftsteller, Professor und Hofrat hat Hilchenbach drei Persönlichkeiten, deren Leben und Wirken ein großer Gewinn für alle Menschen ist und nicht oft genug erwähnt werden kann. Mit Hauberg, Leim- und Filzherstellung haben die Siegerländer mit Fleiß, Wissen und den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln mehr an Menge und Qualität wie andere Regionen aus jedem Stück Land herausgeholt. Ein praktischer und immer noch hochwertiger und nachhaltiger Wissensschatz der bewahrt werden sollte. Auch die Helberhäuser Löffel sollen besser wie andere gewesen sein. Selbst Exponate aus Wilhelm Krämers Kuhschellenschmiede und August Menn's Kuhjochwerkstatt sind hier im Stadtmuseum zu bewundern.

Der Siegerländer Wiesenbau ist so alt wie der Hauberg, das heißt er ist spätestens seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Die Wiesenbauschule in Siegen war Vorläufer der 1979 gegründeten Universität und genoss Weltruhm auf den weit bekannten Keppelschen Wiesen.

Michael Thon zeigt den Webstuhl im Dachgeschoss und die darum herum befindlichen Geräte zur Leinenherstellung. Diese zeugen wiederum von dem Einfallsreichtum und Fleiß der Menschen aus den Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln das Beste herzustellen. „Ob nicht der ein oder andere Hilchenbacher oder Siegerländer noch etwas zu Hause hat, das eine Geschichte vom Leben und Wirken in Hilchenbach erzählen kann?“, fragt Michael Thon in die Runde.

„Jede Unterstützung an Wissen, Zeit und Ressourcen ist gerne gesehen um mit dem Stadtmuseum einen Ort zu haben und zu erhalten, an dem kleine und große Schätze an Wissen und Exponaten von Fern und Nah ihren Platz und Vermittlung finden können. In der zunehmend globaler werdenden Welt haben wir hier einen Bezugspunkt, der Ideen und Orientierung gibt. Die Möglichkeit, das ganz praktisch umzusetzen ist vorhanden und wartet darauf ausgebaut zu werden“, gibt der Museumsführer am Ende seines gelungenen Rundgang den interessierten Besucherinnen und Besuchern auf den Weg.