Seiteninhalt

Gymnasium Stift Keppel

„Einheitsbuddeln“ beim Gymnasium Stift Keppel

Hilchenbach ist bekannt für seine jährliche Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit. Zum 30jährigen Jubiläum der Wiedervereinigung bot die Stadt allerdings erstmals eine Zugabe oder, besser gesagt, ein Kontrastprogramm.

Nach der Feierstunde im Gebrüder-Busch-Theater folgten einige Gäste der Einladung von Bürgermeister Holger Menzel zum „Einheitsbuddeln“. Mit dabei waren auch die Festrednerin Angela Freimuth, Vizepräsidentin des Landtags Nordrhein-Westfalen, und Bürgermeister Martin Wittig mit seiner Tochter aus Hilchenbachs befreundeter ostdeutscher Stadt Seiffen. Ziel der Gruppe war eine Wiese in der Nähe des Gymnasiums Stift Keppel.

„Einheitsbuddeln“ heißt die noch junge Aktion, die in Schleswig-Holstein 2019 begonnen und in der Region Südwestfalen noch nicht so bekannt ist. Dies will Hilchenbach nun ändern.

Worum geht’s? Das erläuterte der Schulleiter des Gymnasiums Stift Keppel, Dr. Jochen Dietrich, vor Ort den Gästen: „Idee beim Einheitsbuddeln ist, dass am Tag der deutschen Einheit jeder Mensch in Deutschland jedes Jahr einen Baum pflanzt.“ „Wenn 83 Millionen Deutsche pflanzen, würden 83 Millionen neue Bäume pro Jahr entstehen“, bewies Dr. Jochen Dietrich sein mathematisches Können.

Ihren Beitrag dazu leistete die Stadt Hilchenbach nun unter der Regie von „Keppels Früchtchen“. Die bekannte Schülergenossenschaft besteht seit etwa viereinhalb Jahren, wie ein Mitglied des Aufsichtsrates bei der Vorstellung des Projektes mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Vorstand erklärte. Diese Positionen sind übrigens auch von den Schülerinnen und Schülern selbst besetzt und man kann Karriere machen, wie das Aufsichtsratsmitglied weiter erläuterte: „Ich habe als ‚normaler‘ Mitarbeiter begonnen, war dann im Vorstand und nun…“

Gemeinsam sorgen seit der Gründung am 2. Mai 2016 Schülerinnen und Schüler verschiedenen Alters mit Unterstützung von Lehrer Michael Schäfftlein dafür, dass aus Äpfeln Apfelsaft entsteht. Diesen verkauft die Schülergeossenschaft dann zum Beispiel bei Veranstaltungen. Aber auch im örtlichen Handel finden Kunden den Apfelsaft „made in Stift Keppel“, wie das älteste „Früchtchen“, der stellvertretende Bürgermeister Klaus Stötzel, anmerkte: „Unser Apfelsaft wird auch im REWE Nahkauf in Dahlbruch verkauft.“

Neben dem Einsatz für den Klima- und Umweltschutz geht die Arbeit der Schülergenossenschaft für die Aktiven einher mit Erfahrungen im wirtschaftlichen Handeln. Beides zusammen hat dafür gesorgt, dass „Keppels Früchtchen“ neben dem Apfelsaftverkauf nun über „ein zweites Standbein“ beim Erzielen von Einnahmen verfügen, wie Michael Schäfftlein mit ein wenig Stolz erklärte: „Mit der Vermarktung unser Idee haben wir bei verschiedensten Wettbewerben einige Preise und entsprechendes Preisgeld abgeräumt.“ Dabei ist die Schülergenossenschaft vor Ort ebenso erfolgreich wie überregional. So haben „Keppels Früchtchen“ sich in den vergangenen Jahren schon mit Erfolg um den Zukunftspreis des Kreises Siegen-Wittgenstein sowie um die Heimatpreise des Kreises und der Stadt Hilchenbach beworben. Nun steht die Krönung an. Beim bundesweit durchgeführten Schülerfirmen-Contest hat es die Schülergenossenschaft 2020 schon unter die zehn besten in Deutschland geschafft. Welchen Platz sie genau in diesem Wettbewerb erreicht hat, erfahren die sehr engagierten Schülerinnen und Schüler im November.

Apropos engagiert! Die jungen Akteure hatten am Tag der Deutschen Einheit 10 Löcher „gebuddelt“ und der Baubetriebshof der Stadt Hilchenbach 10 Obstbäume im Wert von 250 Euro geliefert. Nun durften auch die Gäste zu Baum und Spaten greifen und den Bäumen ein neues Zuhause geben. Die ließen sich nicht zweimal bitten, beim „Einheitsbuddeln“ aktiv zu werden.

Die Ehre als erste Obstbäume zur Einheit in Hilchenbach gepflanzt zu werden, hatten folgende Sorten: 4 mal Roter Boskop, 4 mal Geheimrat Oldenburg und 2 mal Jonagold.

Gesundes Wachstum vorausgesetzt, kann die Schülergenossenschaft in etwa 3 Jahren die ersten Äpfel ernten. Geduld ist also beim Obstanbau gefragt.

Damit die Erfolgsgeschichte von „Keppels Früchtchen“ aber jetzt schon weitergeht, braucht die Schülergenossenschaft Nachschub, wie am Rande der Veranstaltung zu erfahren war. Wer diese außergewöhnliche und nachahmenswerte Initiative unterstützen will und hierfür Äpfel aus seinem Garten abgeben möchte, kann sich per E-Mail an info@keppels-fruechtchen.de oder telefonisch unter 02733/894123 an die Schülergenossenschaft wenden.