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"Hilchenbacher Krimiabend" in der Stadtbücherei

Krimiabend in der Stadtbücherei Hilchenbach "Eine richtig gute Idee"

Gestandene Krimifans – die interessierten Gäste an diesem Abend waren Stammkundinnen der Stadtbücherei – konnten es sich zu einer abendlichen „Vorlesestunde für Erwachsene“ gemütlich machen. In der Pause und im Anschluss daran konnten sich die Teilnehmerinnen ganz „analog“ gegenseitig informieren: über ihre Lieblingskrimis, die Lieblingsserien, die Lieblingskommissare, die Lieblingsmotive.

In der Wilhelmsburg war alles vorbereitet: Es gab einen Krimi-Büchertisch der Hilchenbacher Buchhandlung BücherBuyEva mit einem Querschnitt des neuesten, was es an Kriminalromanen zum diesjährigen Bücherherbst gibt, dazu einen weiteren Büchertisch sowie eine Empfehlungsliste mit verschiedensten Krimis für verschiedenste Geschmäcker aus dem Bestand der Stadtbücherei und dann noch das ein oder andere vorgelesene Textpröbchen, blutroten Wein und frisch gehäckselte Häppchen. Mit den anderen Krimifans erfolgte außerdem ein anregender Austausch und gute Gespräche, die sicher bei einigen der Anwesenden Interesse an neuen Mordgeschichten weckten und sie auf gute Leseideen brachten... 

Apropos Ideen: „Eine richtig gute Idee!“ war der Krimi-Abend, darin waren sich alle Teilnehmerinnen einig.  

Die Bücherei-Kundin Betty Roth hatte die leckeren, italienisch anmutenden Fingerfood-Häppchen beigesteuert. Kein Wunder, mag sie doch besonders die Krimis von Andrea Camilleri, dessen stimmungsvoll-poetische – und doch realistische – Beschreibung der italienischen Schauplätze sowie die sinnlich-bodenständige Art des Protagonisten  Commissario Montalbano. Es war also nicht nur für das „Kino im Kopf“, sondern auch für leiblichen Genuss gesorgt.

Eine ganz andere Geschichte ist die von Bella, der mörderischen Hauptfigur in Helen Zahavis Thriller „Schmutziges Wochenende“. Birgit Latz, Leiterin der Stadtbücherei, las aus diesem ungewöhnlichen Krimi vor. Bellas Geschichte findet sie deshalb – auch nach vielen Jahren (der Roman stammt aus den 1990er Jahren) – immer noch genau so gut wie beim ersten Lesen, weil sie an Kriminalromanen glaubwürdige, aber vor allem ungewöhnliche, „zwingend“ gute Motive schätzt. Und Bellas Motiv konnte sie sofort überzeugen. Bella ist eine, vor der sich zum Beispiel aufdringliche, ignorante oder übergriffige Männer in Acht nehmen sollten. Die Geschichte ist nichts für zarte Gemüter – allerdings sind die meisten Krimileserinnen und –leser in der Stadtbücherei erfahrungsgemäß hartgesotten. Von daher kann der Roman schonungslos empfohlen werden. Das Buch ist leider derzeit im Buchhandel vergriffen, also nur antiquarisch erhältlich; aber keine Sorge: In der Stadtbücherei Hilchenbach kann „Schmutziges Wochenende“ ausgeliehen werden.

Eva-Maria Grass stellte „Der Schatten“, den neuen Thriller der Autorin Melanie Raabe vor. In dem Roman will eine junge Frau in Wien ein neues Leben beginnen und sie hat eine verstörende Begegnung. Sie werde, so sagt eine alte Bettlerin ihr voraus, demnächst einen Mann umbringen und das mit voller Absicht. Eine psychologisch höchst spannend aufgebaute Geschichte, von der die Teilnehmerinnen unbedingt wissen wollen, wie sie weitergeht…

Nach der Häppchen-Pause, in der aufmerksam die beiden Krimi-Büchertische der Stadtbücherei und der Buchhandlung BücherBuyEva begutachtet wurden und erste Gespräche über Krimi-Vorlieben aufkamen, wurde später auch noch über verschiedenste mehr oder weniger überzeugende Motive, Lieblings-Krimistimmungen oder Schauplätze und verschiedene Typen von Ermittlern oder Kommissarinnen gesprochen. Es gab Krimifreundinnen, die die blutig-drastisch-düsteren skandinavischen Krimis , zum Beispiel von Hakan Nesser oder Anne Holt mögen. Andere bevorzugen Kriminalgeschichten mit realistisch-gesellschaftskritischen Tönen wie zum Beispiel von Wolfgang Schorlau oder interessante historische Krimis wie die Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher oder die Krimis über eine mittelalterliche „Gerichtsmedizinerin“ beziehungsweise „Totenleserin“ von Ariana Franklin. Witzige Krimis sind ebenfalls beliebt, zum Beispiel die Franz-Eberhofer-Reihe der Autorin Rita Falk.

Aber auf eines einigen konnten sich alle, sowohl die Gelegenheits-Krimileserinnen als auch die Feinschmeckerinnen und eingefleischten Hartgesottenen: Psychologisch gut und folgerichtig gezeichnet müssen die Figuren und Handlungsstränge schon sein, sonst wird’s nicht wirklich spannend.

„Hilchenbacher Krimiabend“ in der Stadtbücherei

Viele lesen ab und zu gerne Krimis, manche sind sogar beinharte Krimifans mit ganz speziellen Vorlieben. Warum ist das Interesse an Kriminalfällen so groß? Ein paar Gründe:

Der Ermittlerinnen und Ermittler wegen, seien sie skurril oder melancholisch, bittere Einzelgängerinnen oder chaotische Familienmenschen, wortkarge Fastfood-Freundinnen oder pfiffige Leckermäuler, Detektivinnen, Kommissare, Journalistinnen, Köche oder sarkastische Müßiggänger.

Der Kriminalfälle wegen, die uns im Idealfall manchmal ein Stück Gesellschaft zeigen, wie sie heute ist und wie wir sie vielleicht überhaupt nicht kennen, die manchmal gruselig zugespitzt und manchmal fröhlich vereinfacht sind, oder speziell für die Leserinnen und Leser so kunstvoll verwirrt wurden, dass es richtig Spaß macht, beim Lesen knifflige Abläufe zu entwirren und die Verbrechen mit aufzuklären...

Der Schauplätze wegen, die düster und neblig sein können wie das schottische Hochland, irritierend nah wie die heimische Region, lindgren-grün und trügerisch-idyllisch wie Südschweden, eng, laut und voll wie die größten Städte oder weit, flirrend und sonnig wie die italienischen Urlaubslandschaften.

Der Sicherheit wegen, die wir um so mehr spüren, je lesemutiger wir uns in die gefährlichsten Szenerien begeben. Denn die Bösen werden meistens gefasst und bestraft, und die Guten finden fast immer raus, was genau passiert ist. Und all das, während wir abends gefahrlos zuhause im wohlig-vertrauten Zimmer sitzen und an unserem Wein nippen.

Der Herbst ist Krimizeit. Und Erzählzeit. Die Leserinnen und Leser der Stadtbücherei informieren sich gern untereinander über gute Detektivgeschichten und Kriminalromane. Sie reden auch gern über ihre Leidenschaft für das literarische Verbrechen und eigene Leseerfahrungen, über besonders ausgefallene Arten zu morden, besonders passende Schauplätze, besonders ungewöhnliche Motive, besonders sympathische Kommissarinnen oder besonders unsympathische Ermittler und ihre geliebten Macken.

Krimifans wollen sich in der Stadtbücherei gegenseitig informieren über ihre Lieblingskrimis, die Lieblingsserien, die Lieblingsfiguren, die Lieblingsmotive.

Also bereitet das Team für die Kundinnen und Kunden interessante Büchertische zum Thema, eine „böse“ Krimiserien-Empfehlungsliste, mit dem ein oder anderen grausamen Textpröbchen, mit blutrotem Wein und frisch gehäckselten Häppchen vor – und freut sich auf den Besuch vieler weiterer Krimifans sowie Austausch, Anregungen und Gespräche, um auf neue spannende, mörderische Ideen zu kommen. „Kommen Sie zum Hilchenbacher Krimiabend, bringen Sie viel Neugier und, wenn Sie mögen, Ihren Lieblingskrimi mit!“, lädt Büchereileiterin Birgit Latz zu diesem besonderen Event ein.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Buchhandlung BücherBuyEva am Dienstag, dem 25. September, um 19:30 Uhr in der Stadtbücherei in der Wilhelmsburg in Hilchenbach statt. Der Eintritt ist frei, dafür freut sich das Bücherei-Team auf viele unbezahlbare Lese-Anregungen!