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Beeindruckende Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit

Die Feierstunde der Stadt Hilchenbach zum Tag der Deutschen Einheit im Jahr 2017 lieferte viele gute Gründe, diese Veranstaltung auch in Zukunft durchzuführen. Da war einerseits das große Publikumsinteresse im Gebrüder-Busch-Theater mit weit über 200 Gästen, die für ihr Kommen andererseits mit einer hochinteressanten Rede, zwei berührenden Aufführungen sowie einer gelungenen musikalischen Begleitung belohnt wurden.

In seiner Begrüßung hob Bürgermeister Holger Menzel als Gastgeber hervor, dass die Wiedervereinigung ein unglaublicher Moment und der „Mauerfall“ einer der glücklichsten Tage der jüngeren deutschen Geschichte sind. Außerdem weckte er die Vorfreude der Gäste auf den Auftritt des Literaturkurses des Gymnasiums Stift Keppel, der „ein sehr aktuelles Thema präsentiert: die Flucht“.

Das Stadtorchester Hilchenbach sorgte zwischen den anderen Veranstaltungsteilen musikalisch immer wieder passend zum Thema „Deutsche Einheit“ für Abwechslung. Unter der Leitung und Moderation von Günter Schneider spielte das Orchester den festlichen Choral von Hans Hartwig, den Marsch „In Harmonie vereint“ von Siegfried Rundel, die Kuschel-Polka von Peter Schad und zum Abschluss die deutsche Nationalhymne.

Das „Lied der Deutschen“ machte ‑ dem Anlass entsprechend - auch der Festredner Professor Doktor Oliver Schwarz zu einem seiner Themen. Der Physiker der Universität Siegen und Präsident des Lions Clubs Kreuztal überraschte seine Zuhörenden allerdings mit dem Gesichtspunkt, dass die ersten beiden Strophen in ihrer ursprünglichen Inspiration einer vom Liedermacher begehrten Frau und nicht einem Land gewidmet sind.

Bezogen auf die Wiedervereinigung betonte Oliver Schwarz, dass diese entgegen dem in den letzten Jahrzehnten in Europa zu beobachtenden Trend, dass sich Länder trennen, erfolgte. Als aktuelles Beispiel nannte er die Bemühungen Kataloniens, sich von Spanien zu lösen. Oliver Schwarz stellte die Frage, ob heute eine deutsche Wiedervereinigung noch möglich wäre. Er kam zu dem Ergebnis, dass dies im Jahr 2017 deutlich schwieriger gewesen wäre, da sich die Menschen in Ost und West zu weit auseinanderentwickelt hätten. 1990 dagegen lebten noch genügend ältere und lebenserfahrene Menschen, die die Trennung Deutschlands nur als Episode in einem viel längeren Leben angesehen und fest an eine Wiedervereinigung geglaubt haben.

Oliver Schwarz bemängelte allerdings, dass die Freude und Euphorie über das Ende der Teilung viel zu schnell verflogen sind. Dies lastete er insbesondere der Bürokratie an. Zu den negativen Erfahrungen hiermit gehört auch sein persönliches Erlebnis, dass ihm empfohlen wurde neu zu studieren, da seine DDR-Zeugnisse keinen Wert mehr hätten. Ohnehin konnte der ehemalige „Ostdeutsche“, der den Mauerfall in einem Studentenwohnheim in Ost-Berlin mitbekommen hatte, dem Publikum sehr viele persönliche Erinnerungen nahe bringen – „eine Gelegenheit, auf die ich seit vielen Jahren gewartet habe“.

Aber nicht nur der Rückblick lag Oliver Schwarz am Herzen. Mit deutlichen Botschaften schaute der Professor auch nach vorne. So antwortet er seinen Studenten auf die Frage nach der Zukunft gerne, dass „Zukunft exakt das sein wird, was sie selbst daraus gemacht haben werden“. Oliver Schwarz merkte auch an, dass Angst vor Veränderungen unangebracht ist, denn „wer Angst vor diesen Veränderungen hat, hat in Wirklichkeit auch Angst vor dem Leben selbst“. In diesem Zusammenhang betonte er die Wichtigkeit von Bildung, die für ihn auch ein zentrales Element ist, um Diktaturen, wie die in der DDR, zu begegnen und diese zu vermeiden.

Abschließend gab Oliver Schwarz seinen Zuhörerinnen und Zuhörern noch ein „Bild“ mit auf den Weg, als er auf den Unterschied von Diktatur und Demokratie einging: „aber das entscheidende an einer Demokratie ist, das sie, wie jedes Auto, ein Armaturenbrett mit Warnlämpchen besitzt, die Diktatur hat das Armaturenbrett mit Warnlämpchen nicht. Diese Lämpchen bestehen aus Wahlen, einer Presse, die die Wirklichkeit und nicht die Scheinwelt beleuchten muss, und der freien Rede der Bürger, ohne die Angst vor negativen Folgen.“ Als solch ein leuchtendes Warnlämpchen sieht Oliver Schwarz auch das Ergebnis der Bundestagswahl und bezog sich damit offensichtlich auf das Abschneiden der AfD.

Hinweis: Die vollständige Rede von Professor Doktor Oliver Schwarz steht rechts unter Dokumente zum Herunterladen zur Verfügung.

Berührende Szenen aus dem Stück des Gymnasiums Stift Keppel "Hilchenbach, was macht der Krieg?" 

Bei ihren zwei Auftritten beindruckten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Stift Keppel unter der Leitung von Literaturkurs-Lehrerin Maja Röder das Publikum mit Auszügen aus ihrem Schauspiel „Hilchenbach, was macht der Krieg?“ Mit sehr eindringlichen und berührenden Szenen sorgten die jungen Akteure für nachdenkliche Momente bei den Zuschauern. Da ließ der Applaus schon mal auf sich warten, denn betretenes Schweigen schien angesichts der Darstellung naheliegender. Umso größer viel der verdiente Beifall für die Schülerinnen und Schüler dann anschließend aus.

In der ersten Szene demonstrierten die Darsteller, wie bei einem lebensfrohen Alltag mit vielen aktiven Menschen ein Ausruf, eine Frage, alles verändert „Was macht eigentlich der Krieg?“ Maschinengewehrfeuer, Bombeneinschläge und in Panik flüchtende Menschen bestimmten von einem zum anderen Moment die Szene. Eindrucksvoll stellten die Schauspieler anschließenden in einer tänzerischen Aufführung die sich aus dem Krieg ergebenden Folgen am Beispiel des Kampfes der Menschen mit dem Tod um das Leben dar.

Auch beim zweiten Auftritt agierten die Schülerinnen und Schüler sehr eindrucksvoll, als das Willkommen für Flüchtlinge sich schnell in ein klares abweisendes „No“, also Nein, der Mehrheit der Deutschen verwandelte. Oder als in einer weiteren Szene bei dem Aufnahmewunsch eines Geflüchteten in eine deutsche Familie sehr schnell deutlich wird, dass man nur den perfekt passenden Flüchtling wirklich aufnehmen möchte, alle anderen aber abgewiesen werden.