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Feierstunde zum Tag der deutschen Einheit 2019

Unter dem Motto “ Die deutsche Einheit ist unser Glück“ fand die Feierstunde zum Tag der deutschen Einheit im Gebrüder Busch Theater statt

Mit einem lauten Sirenengeheul und einem kleinen Foto-Film über Krieg und Zerstörung begann dieses Jahr die Feierstunde zum Tag der deutschen Einheit im Theater in Dahlbruch.

Dr. Matthias Schreiber, Beauftragter für den Kontakt zu Kirchen und Religionsgemeinschaften aus der Staatskanzlei in Düsseldorf hielt eine beeindruckende Rede vor einem gut gefüllten Saal.

Der Dahlbrucher Chor „Da Chor“ unter der Leitung von Sandra Klein gab mit einigen Auftritten den musikalischen Rahmen für die Feierstunde.

Zum Auftakt sang der Chor das bekannte Stück „Sound of Silence“.

Was folgte war die Begrüßung des Bürgermeisters der Stadt Hilchenbach Holger Menzel. In seinem ersten Satz sprach er von bewegenden Bildern und Tönen und bezog sich auf das Sirenengeheule sowie den kleinen Foto-Film zu Beginn der Veranstaltung.

Anschließend trat Dr. Matthias Schreiber ans Rednerpult und eröffnete seine Festrede.

Zu Anfang erzählte der im Siegerland aufgewachsene Dr. Matthias Schreiber etwas aus seiner Jugend. Er erinnert sich an die Zeit, als er zuletzt im Theater gewesen ist. Er sagte mit einem Lächeln im Gesicht: „Als ich das letzte Mal hier war, bin ich mit einem guten Freund hier gewesen. Wir haben auf der Leinwand den Film Dr. Schiwago gesehen“. Das sorgte natürlich für ein Lachen bei den zahlreichen Gästen. Danach stieg er dann aber mit dem Datum 3. Oktober 1990 ein und sagte, dass an diesem Tag der Einheitsvertrag unterschrieben wurde. Am 9. November 1989 fiel die Mauer. Allerdings macht Dr. Matthias Schreiber auch noch einmal deutlich, dass die Mauer nicht an einem Tag gefallen ist, sondern in Verbindung mit Ereignissen  mehrerer Jahre zuvor: „Es bedurfte jahrelanger politischer Arbeit von Menschen wie Johannes Paul II oder Michail Gorbatschow“.

„Vor 30 Jahren ist uns Geschichte geglückt, endlich mal“ so Dr. Matthias Schreiber weiter. Er sagte aber auch, dass unsere Kalender viele Möglichkeiten geboten hätten, um solch einen Tag der deutschen Einheit als Feiertag zu feiern. Er nannte Beispiele wie den 17. Juni 1953, den Volksaufstand in der DDR, der vor dem 3. Oktober der Tag der Einheit war. Auch den 23. Mai, Tag des Grundgesetzes, nannte er. „Sondern es wurde ein Tag, der an die deutsche Teilung erinnerte und an die Sehnsucht der Vereinigung“. Er betonte auch so verschieden die Tage alle seien, sie haben alle was mit unserem Land und unserer Demokratie zu tun. Man findet sie gebündelt in einem Text und zwar in dem Lied der Deutschen, der Nationalhymne.

Dr. Matthias Schreiber weiter: „Wenn wir das Lied gleich gemeinsam singen, dann sei es mehr als ein Wunsch. Wir singen das Lied auch als ein Auftrag, als ein Versprechen. Wir werden und können das gemeinsam singen, egal welcher Partei wir angehören, ob Christen oder Juden, ob Zugewanderte oder Einheimische, als Deutsche wie als Europäer. Auch wenn wir verschiedener Meinung sind, wie wir den Auftrag erfüllen können. Schließlich sind wir uns als Bürger und Demokraten einig, dass wir den Auftrag gemeinsam erfüllen müssen.“  Mit Beispielen aus unserer Geschichte, wie unter anderem, wenn Richter abhängig sind, Politiker zum Schweigen und Mitmachen gebracht werden oder Journalisten ihr Wissen gegen die Menschen und nicht für die Menschen öffentlich ausbreiten, wies Dr. Matthias Schreiber daraufhin dass dies keine Phantasie aus einem Psychothriller ist. Das alles hat es in Deutschland vor 1945 gegeben und auch in der DDR. Mit seiner Rede machte er sehr deutlich, dass es nicht reicht, wenn sich die ohnehin schon engagierten Menschen weiterhin tatkräftig engagieren, sondern jeder Bürger der Bundesrepublik sollte das tun. Nur so kann unser Land ein freies, starkes und soziales Land bleiben.

„Wenn wir uns in Europa heute umsehen, fallen uns Länder auf, in denen Pressefreiheit untergraben wird, in denen die Gewaltenteilung aufgeweicht wird. In anderen Ländern gibt es sogar massive Verstöße gegen die Menschenrechte. Man hat den Eindruck das genau diese Länder immer wieder die Nazi-Deutschland-Keule raus holen, um vom eigenen, anti-demokratischen Verhalten abzulenken.“ Er betonte dass unser Land mit Herz und im Geist in der Demokratie angekommen ist. Dr. Matthias Schreiber sprach von Netzwerken, die unser Land durchziehen wie zum Beispiel die Parteien, die Gewerkschaften, die Kirchen, die Schulen, die Handwerkskammern, aber auch Vereine und Bürgerinitiativen. „Sie alle sammeln sich unter dem Geist des Grundgesetzes und schützen unser Vaterland vor dem Extremen“, so der Festredner weiter.

„Irgendwann kommen wir an den Punkt, wo Zweifel aufkommen und wo uns der Mut verlassen will. Wo Ängste auftreten, wie die Herausforderungen der Globalisierung, Konsequenzen der Erderwärmung, die Angst vom Überrollen der Demokratie durch Rechtsextreme oder die Sorge und Angst vor falscher Zuwanderungspolitik.“ Er zitierte anschließend einen sehr berühmten Arzt und Philosophen:  „Albert Schweizer hat einmal die Resignation die Vorhalle der Ethik, der Hoffnung, genannt.“ Er betonte ausdrücklich, dass es keinen Grund zur Resignation gibt solange unsere Verfassung gilt, die Gewaltenteilung in Kraft ist, der Rechtsstaat arbeitet und die Eltern ihren Kindern Vorbilder sind. „ Es gibt kein zweites Land auf dieser Erde, das sich mit einer vergleichbaren Schuld derart in den Morast geritten hat wie Deutschland. Aber genau so wenig gibt es kein zweites Land, das durch Wiedergutmachung und Versöhnung wieder ein geachtetes Mitglied in der Völkergemeinschaft geworden ist.“ Sein Blick richte sich dabei auf Amerika, Australien und seine Ureinwohner, Südafrika und seine Rassenpolitik, auf die Türkei im Blick auf die Armenier oder gar Russland und die Verbrechen Stalins.

In seinen Abschlussworten ging Herr Dr. Matthias Schreiber nochmals darauf ein, dass Deutschland unser Vaterland ist und dass wir aufgrund unserer Geschichte dazu verpflichtet sind, Freiheit und Gerechtigkeit vor- und auszuleben. Mit den Worten „Die deutsche Einheit ist unser Glück, der 3. Oktober erinnert uns daran“ und der Textpassage aus der Nationalhymne “Blüh im Glanze dieses Glückes, blühe deutsches Vaterland“ verabschiedete sich der Festredner.

Dr. Matthias Schreiber hielt eine sehr beeindruckende Rede und wurde dafür auch mit einem langen Applaus bei seinem Abgang von der Bühne begleitet. 

„28 Jahre und 88 Tage hat die Berliner Mauer, die Stadt in zwei Hälften geteilt. Am 9.November.1989 hieß es: die Mauer ist weg. Es war wie Weihnachten und Ostern zusammen, ein menschengemachtes Wunder“ so Bürgermeister Holger Menzel. Das war gleichzeitig die Einleitung für ein weiteres musikalisches Stück des Chors Da Chor mit dem Titel „Wunder geschehen“.

Bürgermeister Holger Menzel fuhr mit den Worten fort: „Der Fall der Berliner Mauer hat uns Deutsche zusammengeführt. Patriotismus tut gut, weil es die eigene Identität stärkt und Selbstsicherheit vermittelt.“ Er verwies auch nochmal darauf, dass Ausländer auch aus anderen Kulturkreisen nach Deutschland kommen würden, wo es selbstverständlich ist auf sein Land und sein Volk stolz zu sein: „Man kann nur von anderen geliebt werden, wenn man sich selbst liebt.“

Anschließend lud er alle gemeinsam ein mit Stolz “unsere Nationalhymne“ zu singen. Alle Gäste erhoben sich von den Plätzen und sangen unter der Begleitung des Chors Da Chor gemeinsam die deutsche Nationalhymne.

Im Anschluss bedankte sich Bürgermeister Holger Menzel bei allen Mitwirkenden und Helfern. Ein großes Lob ging dabei an Patricia Vanderlinden, weil sie alles sehr gut organisiert und geplant hatte. Sie war zum ersten Mal für den reibungslosen Ablauf dieser Veranstaltung veranwortlich. Ein ganz besonderer Dank galt dem Festredner des Abends Dr. Matthias Schreiber und dem Chor Da Chor aus Dahlbruch für die musikalische Begleitung.

Als Abschluss sang der Chor noch das berühmte Lied von Marius Müller-Westernhagen „Freiheit“, wozu einige Gäste im Publikum noch abschließend mit einstimmten.