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Feierstunde zum Tag der deutschen Einheit 2020

Feierstunde zum Tag der deutschen Einheit

Auch dieses Jahr fand wieder die Veranstaltung der Stadt Hilchenbach zum Tag der deutschen Einheit im Gebrüder-Busch-Theater in Dahlbruch statt.

Das Akkordeonorchester Ferndorftal Wilden, unter der Leitung von Jutta Schreiber-Menn, übernahm die musikalische Umrahmung der Feierstunde. Mit dem Stück „Free World Fantasy“ von Jacob de Haan gestalteten sie den Auftakt.

Nach dem musikalischen Einstieg folgte die Begrüßung durch den Bürgermeister der Stadt Hilchenbach, Holger Menzel. Er betonte, wie sehr er sich freut, dass trotz der Corona-Pandemie die Veranstaltung unter dem Motto „Freiheit“ stattfinden kann und einige Gäste, unter anderem Bürgermeister Martin Wittig und seine Tochter aus Hilchenbachs Partnerstadt Seiffen und der zukünftige Bürgermeister der Stadt Hilchenbach Kyrillos Kaioglidis, gekommen sind.

Daraufhin spielte das Akkordeonorchester das bekannte Stück „Sound of Silence“ von Paul Simon.

Anschließend trat die Festrednerin Angela Freimuth, Vizepräsidentin des Landtags Nordrhein-Westfalen, an das Rednerpult.

Zu Beginn ihrer Rede machte Angela Freimuth deutlich, wie sehr sie sich freut, die Feierstunde mitgestalten zu können. Sie betonte, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass Hilchenbach jedes Jahr eine Feier zum Tag der deutschen Einheit „auf die Beine stellt“. „Es gibt nur wenige Städte, die das mit diesem Traditionsbewusstsein, aber auch mit diesem historischen Bewusstsein so begehen“, erklärte die Rednerin.

Weiter erzählte sie, dass die Väter und Mütter unseres Grundgesetzes im Jahr 1949 ganz bewusst den unmissverständlichen Auftrag formuliert haben, das gesamte deutsche Volk sei aufgefordert in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden. „In der Nacht zu heute vor 30 Jahren wurde genau dieser Auftrag vollzogen“ so die Vizepräsidentin des Landtags. Zum 3. Oktober 1990 trat die DDR der Bundesrepublik Deutschland bei.

Angela Freimuth erzählte, dass sie vor einigen Tagen gefragt wurde, was sie an dem besagten Tag gemacht habe. Offengestanden wisse sie dies gar nicht mehr so ganz genau. Gewiss habe sie die Berichterstattung im Fernsehen verfolgt, aber so richtig erinnern kann sie sich nicht mehr. Anders allerdings war das beim 9. November 1989, an dem Tag des Mauerfalls. Angela Freimuth erinnerte sich daran, dass sie mit Freunden zusammen in ihrer Lieblingskneipe saß und unter anderem das Lied „Sound of Silence“ lief. „Insofern hätte das für mich besser und treffender gar nicht sein können“, erklärte sie und bezog sich damit auf das zuvor von dem Akkordeonorchester gespielte Stück. Der Tag habe sich bei vielen viel stärker eingebrannt, was vielleicht daran lag, dass die vielen Einzelentscheidungen, die nur noch in die Wiedervereinigung Deutschlands münden konnten, nicht mehr so überraschend gegeben waren. Dennoch betont die Festrednerin: „Mit Nichten ist es ein weniger bedeutsamer Tag, mit Nichten ist das was dort vollzogen wurde weniger bedeutsam.“  

Außerdem sprach Angela Freimuth in ihrer Rede von vielen Persönlichkeiten wie Willy Brandt, Helmut Kohl und Hans Dietrich Genscher, die auf ein geeintes Deutschland in einem friedlichen und geeinten Europa hingearbeitet hatten. Am 4. September 1989 begannen mutige Menschen in den sogenannten Montagsdemonstrationen dem Wunsch nach Freiheit und Reform ein Gesicht zu geben. „Alles geschah damals im Rekordtempo“, betonte Angela Freimuth. Sie ist sich sicher: „ein Zögern wäre damals falsch gewesen. Den kleinen Spalt in dem historischen Zeitfenster gab es nur einmal und ein Zögern hätte das Fenster wahrscheinlich auf Jahre wieder zugemacht oder vielleicht auch für immer zugehalten.“  

Die Politikerin sprach in ihrer Rede auch die heutige Zeit an. Sie ging auf die Herausforderungen ein, die die Corona-Pandemie mit sich bringt. Damit meinte sie die Beeinträchtigungen, die in den letzten Wochen und Monaten deutlich geworden sind. Besonders hervorgestochen sind dabei die Defizite im Bereich der Digitalisierung. Sie sprach den derzeitigen Wirtschaftseinbruch an, betont aber dennoch, dass unser Gemeinwesen funktioniert. Unsere medizinische Versorgung ist auch während der Pandemie leistungsfähig, im Gegensatz zu andern Ländern. Des Weiteren sprach Angela Freimuth die Freiheit in Deutschland an. Sie rief dazu auf den 3. Oktober nicht nur als einen Tag des Erinnerns zu begehen, sondern als einen Tag des Aufrufs gegen die Entfremdung von den Werten des Grundgesetzes.

Zum Schluss ihrer Rede stellt die Festrednerin klar, dass Europa kein Friedens- und Freiheitsprojekt von Eliten, sondern unser aller Aufgabe ist. „Der 3. Oktober ist der Feiertag für die Werte unseres Grundgesetzes und die Werte unserer Demokratie“ erklärte Angela Freimuth, „Es liegt an jedem einzelne! Die Geschichte ist noch nicht geschrieben. Sie macht aber auch keine Pause. Jeder ist gefragt, sie aktiv mitzugestalten.“

Mit den Worten „Um zu leben, braucht man Freiheit“ beendete Angela Freimuth ihre Ausführung und bedankte sich für die Aufmerksamkeit. Für ihre beeindruckende Rede erhielt Angela Freimuth einen großen Applaus von dem Publikum.

Anschließend folgte ein weiterer Liedbeitrag von dem Akkordeonorchester. Die Musikerinnen und Musiker spielten den Titel „Hallelujah“ von Leonhard Cohen.

Bürgermeister Holger Menzel betrat erneut die Bühne und bedankte sich bei der Festrednerin „für ihre tolle Rede“. Außerdem galt ein großes Dankeschön allen Mitwirkenden und Helfern. Besonders Patricia Vanderlinden, die alles organisiert hatte, bekam ein großes Dankeschön. Zum Schluss lud Holger Menzel alle herzlich dazu ein, an der im Anschluss folgenden Veranstaltung, dem „Einheitsbuddeln“ beim Gymnasium Stift Keppel teilzunehmen. Die Schülergenossenschaft „Keppels Früchtchen“ hat von der Stadt Hilchenbach Apfelbäume gespendet bekommen, die nun gemeinsam gepflanzt werden sollten.

Zum Abschluss spielte das Orchester die deutsche Nationalhymne, wozu alle Gäste im Saal aufstanden. Mitsingen war Corona-bedingt diesmal leider nicht erlaubt.