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Viktoria-Kino

Film-Premiere „Boris Dorfman – A Mentsh“ am 27. September 2017

Die Dorfgemeinschaft Müsen e. V. präsentiert in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit Siegerland e. V., dem Viktoria Filmtheater und der Stadt Hilchenbach eine außergewöhnliche Film-Premiere: „Boris Dorfman – A Mentsh“. 

Der Film des gebürtigen Müseners Uwe von Seltmann ist am Mittwoch, dem 27. September, in Dahlbruch zu sehen. Beginn im Viktoria-Kino ist um 19.30 Uhr. Starten wird die Veranstaltung mit einer kurzen Einleitung ins Thema durch den Regisseur und Produzenten persönlich. Im Anschluss an den Film mit einer Laufzeit von 52 Minuten lädt Uwe von Seltmann zur Podiumsdiskussion ein und steht auch für persönliche Gespräche zur Verfügung. Der Eintritt kostet bei dieser Sonderveranstaltung auf allen Plätzen nur 6 Euro.

Übrigens: Zu Beginn dieses Jahres beeindruckte Uwe von Seltmann ein interessiertes Publikum bereits bei einer Lesung mit Autorengespräch im Bürgerhaus in Müsen.

Andreas Bolduan und Ulrich Bensberg betonten im Pressegespräch als Vertreter der Dorfgemeinschaft Müsen e. V. sowohl die Wichtigkeit des gewählten Themas als auch den persönlichen Bezug, den der bekannte Müsener Uwe von Seltmann zu seinem Geburtsort hat und Müsen zu ihm. Außerdem ist die Filmvorführung Bestandteil der Initiative des Vereins, kulturelle Angebote im Bürgerhaus Müsen und an anderen Orten zu machen und mitzuveranstalten. Lieblingsort außerhalb von Müsen ist dabei das Gebrüder-Busch-Theater und Viktoria-Kino, denn der Dorfgemeinschaft Müsen ist auch die Förderung des Projektes "Kultureller Marktplatz" zum Erhalt des Kultur-, Sport- und Freizeitzentrums im Nachbarort Dahlbruch sehr wichtig. 

Sehr positiv sieht daher auch die Stadt Hilchenbach diese Aktivitäten, wie der Fachbereichsleiter Bürgerdienste und Projektverantwortliche Hans-Jürgen Klein deutlich machte. Gerne hat sich die Stadt Hilchenbach daher als Kooperationspartnerin für die Filmvorführung eingesetzt. Dabei soll diese Partnerschaft erst der Anfang der Zusammenarbeit sein: "Wir möchten die Kulturarbeit in Hilchenbach sowohl inhaltlich als auch örtlich, zum Beispiel mit dem Bürgerhaus als zusätzlichem Veranstaltungsort, breiter aufstellen. Gemeinsam mit der Dorfgemeinschaft Müsen sehen wir daher gute Entwicklungsmöglichkeiten."  

Weitere, schon bekannte Kooperationspartner sind Jochen Manderbach als Betreiber des Viktoria Filmtheaters und die Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit Siegerland e. V. Für diese betonte der jüdische Vorsitzende Alon Sander das die Filmvorführung hervorragend in das Veranstaltungsangebot seines Vereins passt, denn die jüdische Geschichte besteht aus weit mehr als Judenverfolgung und Judenvernichtung. Jüdische Kultur bietet auch sehr viel Lebensfreude und auch diese findet im Film ihren Platz.

Uwe von Seltmann freut sich auf NRW-Premiere in seinem Geburtsort!

„Boris Dorfman – A Mentsh“ feiert im Viktoria-Kino in Dahlbruch seine Premiere in Nordrhein-Westfalen, wie Uwe von Seltmann im Pressegespräch betonte. Seit 2014 hat der international gespielte Film ansonsten schon fast die ganze Welt gesehen, von Australien bis in die USA. Er steht beispielhaft für die Bemühungen von Uwe von Seltmann und seiner Ehefrau Gabriela um die Völkerverständigung.

Dieses Thema hält der Filmregisseur und -produzent sowie bekannte Autor gerade heutzutage wieder für sehr wichtig. Der aktuelle Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl liefert Uwe von Seltmann dafür ein aktuelles Argument, dass Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus wieder mehr Zuspruch erfahren als man sich wünschen und verstehen kann. Als weiteres Beispiel für besorgniserregende Tendenzen in der Welt nennt Uwe von Seltmann seinen bisherigen Wohnort Krakau. Die jetzige polnische Regierung schafft zum Beispiel die Meinungsfreiheit ab und erkennt das jüdische Kulturgut nicht mehr an. Daher hat der bekannte Autor Polen den Rücken gekehrt und lebt zurzeit in Kroation, wo er sein neues Buch schreibt.

Eines macht Uwe von Seltmann sehr deutlich, wenn er sein Bemühen "der Judenverfolgung und Judenvernichtung besonders im 2. Weltkrieg ein Gesicht zu geben" beschreibt: "Es geht nicht um Schuld. Die heutigen Generationen in Deutschland tragen keine Schuld. Es geht darum, Verantwortung für das zu übernehmen, was damals geschehen ist." Deshalb legt Uwe von Seltmann in seiner Tätigkeit großen Wert darauf, gegen das Vergessen aktiv zu sein.

Bei seinem Film-Projekt mit Boris Dorfmann spielte aber auch die Sprache eine große Rolle. Uwe von Seltmann spricht selbst jiddisch. Was aber die Wenigsten wissen: Über 1.000 Wörter im Deutschen sind jiddischen Ursprungs, darunter zum Beispiel Zocker, Zoff oder auch schmusen. Die Bedeutung ist dabei häufig etwas abgewandelt. Dies gilt übrigens auch für den Titel des Films. "A Mentsh" ist nämlich das größte Kompliment, das man jemandem auf jiddisch machen kann. Boris Dorfman ist also nicht nur "ein Mensch", sondern "A Mentsh", also der beste Mensch, den man sich vorstellen kann.   

Zum Film:

„Boris Dorfman - A Mentsh“ ist ein Film in jiddischer Sprache und wird im Viktoria-Kino mit deutschen Untertiteln gezeigt. Er spielt in Lemberg, der heutigen Westukraine, und ist der erste Teil einer geplanten Jiddisch-Trilogie, die in verschiedenen Städten spielen soll.

Lemberg, einst eine multi-ethnische Stadt, war 600 Jahre lang ein Zentrum jüdischen Lebens und der jiddischen Sprache. Boris Dorfmann ist 94 Jahre alt und 2017 der letzte Lemberger Jude mit jiddischer Muttersprache. Er bietet Stadtführungen und Vorträge zur jüdischen Geschichte an. 

Im Zweiten Weltkrieg wurde diese einzigartige Kultur zerstört. 70 Jahre nach Kriegsende führt Boris Dorfman zu all den Stätten des Grauens und Orten der Hoffnung, an denen sich die Geschichte der Lemberger Juden widerspiegelt. Der beim Dreh 90-Jährige ist womöglich der letzte Jude in Lemberg mit jiddischer mameloshn (Muttersprache) - scheinbar ein Relikt einer untergegangenen Epoche. Doch der Kämpfer gegen das Vergessen lebt in der Gegenwart: Er erinnert an die Vergangenheit, um auf die Zukunft vorzubereiten als ein „Mentsh“, voller Liebe und Empathie. Deshalb begleiteten Gabriela und Uwe von Seltmann im Film Boris Dorfman nicht nur zu Stätten der Judenvernichtung, sondern auch zu Orten des gegenwärtigen jüdischen Lebens in Lemberg. 

Zum Regisseur und Produzenten:

Uwe von Seltmann, geboren 1964 in Müsen, ist ein Wanderer zwischen Ländern, Kulturen, Sprachen und Religionen. Nach seinem Studium in Erlangen, Wien und Tübingen war er für verschiedene Medien als Korrespondent und Chefredakteur tätig. Er hat acht Bücher verfasst beziehungsweise herausgegeben und lebte seit 2007 als freier Publizist in Krakau, bevor er seinen Lebensmittelpunkt nun nach Kroatien verlagerte. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit den familiären und gesellschaftlichen Auswirkungen des Nationalsozialismus auf die Gegenwart.