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Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Hilchenbacher „Universalgelehrter“ geehrt: Reinhard Gämlich bekommt Bundesverdienstmedaille

Am 28. Oktober 2019 hat der Allenbacher Reinhard Gämlich die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten.

„Ein Archiv rechnet sich nicht, aber es zahlt sich aus“, sagte Landrat Andreas Müller bei der Verleihungsfeier im Siegener Kreishaus. So steht es im Vorwort des Jahresberichts des Hilchenbacher Stadtarchivs, das Reinhard Gämlich über 30 Jahre lang geleitet hat. Aus wirtschaftlicher Sicht ist im Archiv nichts zu holen, aber es lohnt sich, die Geschichten und Zeugnisse, die dort schlummern, zu bewahren und weiterzugeben.

Diesen Satz von Reinhard Gämlich zu "seinem" Stadtarchiv in der Wilhelmsburg übertrug Andreas Müller eins zu eins auf das Ehrenamt. Auch das bürgerschaftliche Engagement rechnet sich nicht, aber es zahlt sich aus! Für beides, Archiv und Ehrenamt, steht Reinhard Gämlich. Die Auszeichnung erhält der Allenbacher allerdings für seine intensiven ehrenamtlichen Aktivitäten. Dennoch ging der Landrat bei der Ehrung auch auf sein berufliches Wirken ein und dies zu Recht, denn wie Reinhard Gämlich selbst immer wieder gerne betont, hat er bei der Stadt Hilchenbach sein "Hobby zum Beruf gemacht".

Beruflich und auch in seinen vielen Ehrenämtern dreht sich vieles um das Gleiche: Geschichte und Geschichten. Seit 1986 ist Reinhard Gämlich Geschäftsführer des Hilchenbacher Geschichtsvereins und saß als Stadtarchivar buchstäblich an der Quelle. Ihm ist es unter anderem zu verdanken, dass historische Gebäude in Hilchenbach Informationstafeln bekamen. Außerdem hat Reinhard Gämlich für seinen Verein eine eigene Bibliothek angelegt sowie viele Führungen und Vorträge organisiert. Seine Leidenschaft für Geschichte hat er immer direkt seiner Heimat zu Gute kommen lassen. Ortschaften und Vereinen hat der Allenbacher zum Beispiel bei der Aufarbeitung ihrer Historie unterstützt. So sind zahlreiche Chroniken aus seiner Feder entstanden. Für die Jung-Stilling-Gesellschaft oder den Verein zur Erhaltung der Ginsburg hat er geschichtliche Ausarbeitungen angefertigt und das stets ehrenamtlich.

„Ein echter Universalgelehrter in Sachen Heimatkunde“, stellte Andreas Müller fest. Reinhard Gämlich hat sich aktiv dafür eingesetzt, das Geschichts- und Heimatbewusstsein auf vielfältige Weise zu fördern. Für sein umfangreiches ehrenamtliches Engagement verlieh ihm nun der Landrat im Namen von Bundespräsident Franz-Walter Steinmeier die Bundesverdienstmedaille.

Holger Menzel, Bürgermeister der Stadt Hilchenbach, schwärmte in seiner Rede davon, dass sein Archivar immer eine Antwort fand, auch auf ungewöhnliche Fragen. Beispielhaft nannte der Verwaltungschef die Frage, warum der Bernhard-Weiss-Platz teilweise noch in der Schreibweise mit "ß" auftaucht. Dies ist keine Folge der Rechtschreibreform, sondern hat nach Reinhard Gämlich nachweislich den Hintergrund, dass die Familie Weiss offiziell ihren Nachnamen formal geändert hat, da die ursprüngliche Schreibweise mit "ß" gerade bei Auslandaufenthalten immer wieder zu Schwierigkeiten führte. "Geschichte ist Ihr Leben", fasste Holger Menzel an Reinhard Gämlich gerichtet zusammen.

Der Vorsitzende des Vereins zu Erhaltung der Ginsburg, Dieter Viehöfer, dankte Reinhard Gämlich stellvertretend für alle Vereine und Ortschaften für seine Unterstützung. Horst Schlabach, Vorsitzender des Hilchenbacher Geschichtsvereins, ergänzte, dass der Geschäftsführer des Vereins durch seine intensive Öffentlichkeitsarbeit dafür gesorgt hat, viele andere Menschen an seinem umfangreichen Wissen teilhaben zu lassen. Wie verbunden Reinhard Gämlich seiner und der Geschichte allgemein ist, machte Gerhard Hofmann vom TV Allenbach deutlich: "Reinhard war der erste, der sich mit einem Familienwappen auf seiner Eintrittserklärung in unserem Verein angemeldet hat." Zu seinen Aktivitäten gehörte dann der Volkstanz, also auch eine Art der Heimatpflege.

Auch die anwesenden Familienangehörigen lobten Reinhard Gämlich für seine Ahnenforschung und die vielen Geschichten, mit denen er immer wieder die Gespräche bereichert.

Der Geehrte selbst betonte seine große Freude über die Auszeichnung. Dabei hat Freude auch Reinhard Gämlichs Arbeit immer geprägt: "Schön zu erleben war, dass alle glücklich die Wilhelmsburg verlassen haben, weil ich ihnen weiterhelfen konnte."

Auch wenn er im Ruhestand ist, steht Reinhard Gämlich für seine Nachforschungen das Stadtarchiv jederzeit offen, versicherte ihm Hans-Jürgen Klein, Fachbereichsleiter Bürgerdienste im Hilchenbacher Rathaus. Denn die eine oder andere Veröffentlichung zu heimatkundlichen Themen hat er schon geplant. Sein nächstes Buch befasst sich mit den Haus- und Familiennamen in Alt-Hilchenbach. Außerdem möchte Reinhard Gämlich das Geheimnis um die Kartoffeln und die Entstehung des Reibekuchenbrotes lüften.