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Ärztliche Versorgung

Entwurf des neuen Rettungsdienstbedarfsplans:
Zusätzliche Rettungswachen für Hilchenbach und Siegen-Süd sowie vier Standortverlegungen geplant

Gemeinsame Stellungnahme der Städte Kreuztal und Hilchenbach vom 5. März 2019

Bürgermeister Holger Menzel hat sich gemeinsam mit seinem Amtskollegen Walter Kiß aus Kreuuztal am 5. März in eimem Schreiben an den Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein, Andreas Müller, gewandt. Die Städte Hilchenbach und Kreuztal haben darin wie folgt zum Entwurf des neuen Rettungsbedarfsplans Stellung genommen: 

"Da die derzeit in Kreuztal-Ferndorf vorhandene Rettungswache sowohl die Stadt Kreuztal als auch die Stadt Hilchenbach versorgt und die vorgesehenen Veränderungen bei der Besetzung dieser Rettungswache Auswirkungen auf beide Städte haben wird, wird folgende gemeinsame Stellungnahme zu den planerischen Überlegungen abgegeben:

1. Standorte der Rettungswachen

Die vorgesehene Neuerrichtung einer Rettungswache für den Bereich Hilchenbach und die Verlegung der bisher in Kreuztal-Ferndorf angesiedelten Rettungswache in Richtung Kreuztal-Mitte wird ausdrücklich begrüßt. Die auch gutachterlich dargestellten Verbesserungen sind nachvollziehbar.

Insbesondere durch die Verringerung von Fahrzeiten können dadurch grundsätzlich kürzere Hilfsfristen erreicht werden. Das Gutachten stellt die derzeitigen Nachteile und die damit verbundenen Überschreitungen der Hilfsfristen eindrucksvoll dar und zeigt auf, wie sich die Situation durch die geplanten Maßnahmen optimieren lässt.

2. Notarzt-Standorte

Derzeit werden die Stadtgebiete Kreuztal und Hilchenbach im Bedarfsfall mit Notärzten vom Standort der Rettungswache Kreuztal-Ferndorf aus versorgt.

Die gutachterlich festgestellte durchschnittliche Fahrzeit beträgt 7,79 Minuten für das Notarzteinsatzfahrzeug bis zum Notfallort (Kapitel 4.2, Tabelle 7, Entwurf Rettungsdienstbedarfsplan). Dabei kommt es jedoch auch heute schon insbesondere in den Randlagen von Hilchenbach zur Überschreitung der Hilfsfrist in einzelnen Fällen aufgrund besonders langer Anfahrten. Insgesamt werden durchschnittlich 1.451 Notarzt-Einsätze von der Rettungswache Kreuztal-Ferndorf aus gefahren (Kapitel 4.2, Tabelle 4, Entwurf Rettungsdienstbedarfsplan) und damit insbesondere die Stadtgebiete Kreuztal und Hilchenbach versorgt.

Nunmehr ist vorgesehen, bei der zukünftigen Konzeption zweier Rettungswachen in Kreuztal und Hilchenbach keinen Notarzt-Standort im nördlichen Kreisgebiet mehr vorzusehen und den erheblichen Bedarf von Siegen aus zu bedienen.

Als Begründung wird angegeben, dass auch von dort aus eine Hilfsfrist von 20 Minuten eingehalten werden kann, was zumindest für die Randbereiche der Stadt Hilchenbach, aber auch in Zeiten mit hohem Verkehrsaufkommen für das gesamte Einsatzgebiet, von hier aus bezweifelt wird.

Es wird auch darauf abgestellt, dass zukünftig ausgebildete Notfallsanitäter durch eine verbesserte Qualifikation höherwertige Rettungsaufgaben übernehmen können und dadurch in Einzelfällen Notarzteinsätze entbehrlich wären. 

Ob jedoch genügend Notfallsanitäter insgesamt vorgehalten werden können und deren Ausbildungsstandard tatsächlich die gewünschten Effekte erzielt, wird im Entwurf des Rettungsdienstbedarfsplanes nicht schlüssig nachgewiesen. Vielmehr enthält der Entwurf den Verweis darauf, dass Defizite in solchen Kapazitäten bis 2026 durch Rettungsassistenten aufgefangen werden sollen, die eine solche Qualifikation nicht aufweisen können.

Für die Städte Kreuztal und Hilchenbach kann die Reduzierung von Notarzt-Kapazitäten daher nicht akzeptiert werden, da mit einer Bedienung aus Siegen im Notfall mit deutlichen längeren Fahrzeiten gerechnet werden muss. Insbesondere vor dem Hintergrund des stundenweise extrem hohen Verkehrsaufkommens wird die Einhaltung der vorgesehenen Hilfsfrist von 20 Minuten in Zweifel gezogen und auch grundsätzlich in ihrer Höhe kritisiert.

Die kreisweite Reduzierung von sechs auf vier Notarzt-Standorten lässt schon überschlägig den Schluss zu, dass die Summe der Einsätze – insbesondere im Norden des Kreisgebietes – mit dieser reduzierten Anzahl nicht in angemessener Hilfsfrist abgearbeitet werden kann."

Die Bürgermeister Holger Menzel und Walter Kiß bitten den Landrat abschließend den Entwurf des Rettungsdienstbedarfsplanes vor dem Hintergrund der genannten Bedenken zu überarbeiten und die Städte Kreuztal und Hilchenbach auch zukünftig mit einem vor Ort stationierten Notarzt auszustatten.

Pressemitteilung des Kreises Siegen-Wittgenstein vom 28. Febuar 2019:

Zwei zusätzliche Rettungswachen für Hilchenbach und Siegen, die Verlagerung von vier weiteren Rettungswachen an neue Standorte, die Aufstockung der Zahl der Rettungswagen (RTW) von aktuell 15 auf 22 plus einer technischen Reserve von weiteren RTW sowie die Konzentration der Sonderfahrzeuge wie Babymobil, Schwerlast-RTW oder Intensivtransportwagen am Standort des künftigen Gefahrenabwehrzentrums – das sind zentrale Eckpunkte des neuen Rettungsdienstbedarfsplans des Kreises Siegen-Wittgenstein.

Den Entwurf des Planes hat Landrat Andreas Müller jetzt gemeinsam mit dem zuständigen Referatsleiter Thiemo Rosenthal und Thomas Tremmel, Leiter des Amtes für Brand- und Bevölkerungsschutz, Rettungswesen, vorgestellt. Er wird am 13. März Thema im Kreisgesundheitsausschuss sein.

Bevor der Kreistag abschließend über den neuen Rettungsdienstbedarfsplan für die Jahre bis 2023 beraten und beschließen kann, müssen zum Beispiel noch Verhandlungen mit den Krankenkassen geführt beziehungsweise die Rückmeldung der Stadt Siegen als Träger einer Rettungswache in der Universitätsstadt abgewartet werden.

„Mit dem jetzt vorliegenden Entwurf wollen wir den Rettungsdienst für die Menschen in Siegen-Wittgenstein weiter optimieren“, unterstreicht Landrat Andreas Müller: „Die Rahmenbedingungen, unter denen der Rettungsdienst arbeitet, verändern sich ständig: So steigt die Zahl der Einsätze kontinuierlich an. Zum einen weil die Menschen im Durchschnitt immer älter werden und deshalb auch öfter Hilfe benötigen, zum anderen weil viele die 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes immer noch nicht kennen und deshalb lieber die 112 wählen, selbst wenn es nur um eine leichtere Erkrankung geht“, sagt Andreas Müller.

Auch die Zahl der parallelen Einsätze – also von zwei oder mehreren Einsätzen zum gleichen Zeitpunkt – hat zuletzt spürbar zugenommen. Das hat zum Beispiel direkten Einfluss auf die Anzahl der Rettungswagen, die der Kreis Siegen-ittgenstein künftig vorhalten will. „Und wer häufig mit dem Auto unterwegs ist, hat in den letzten Jahren festgestellt, dass Staus, Straßensperrungen und Umleitungen massiv zugenommen haben. Auch solche Entwicklungen fließen natürlich in unseren neuen Bedarfsplan mit ein“, erläutert Andreas Müller.

Die Arbeiten an dem neuen Rettungsdienstbedarfsplan haben Mitte 2018 begonnen. Zunächst wurden Einsatzdaten aus dem Rechner der Kreisleitstelle gesammelt und analysiert, um den Ist-Zustand zu ermitteln. Anschließend wurde ein externes Gutachten erstellt, das Vorschläge für die künftige Aufstellung des Rettungsdienstes enthielt. Dieses Gutachten lag Ende November vergangenen Jahres vor und wurde dann schon einmal grundsätzlich mit den Krankenkassen, die für die Kosten des Rettungsdienstes aufkommen müssen, besprochen. Auf dieser Basis wurde in den letzten Wochen der Entwurf des neuen Rettungsdienstbedarfsplanes federführend durch Thomas Tremmel erarbeitet.

Konkret sieht der neue Plan eine zusätzliche Rettungswache in Hilchenbach und eine weitere im südlichen Stadtgebiet von Siegen vor. Zudem soll die Rettungswache an der Bundesstraße B 508 in Kreuztal-Ferndorf Richtung Kreuztaler Innenstadt verlegt werden. Die Wache an der Umgehungsstraße in Netphen soll einen neuen Standort in Deuz bekommen und die Rettungswache am Krankenhaus in Freudenberg soll Richtung Wilhelmshöhe umziehen. Zudem braucht auch die Rettungswache in Bad Laasphe ein neues Gebäude. Das liegt allerdings nicht am Standort, sondern daran, dass der Denkmalschutz einen zwingend erforderlichen Umbau des aktuellen Gebäudes der Rettungswache nicht zulässt. Die weiteren bestehenden Wachen sollen – zum Teil erheblich – umgebaut, erweitert beziehungsweise modernisiert werden.

„All diese Maßnahmen werden dazu führen, dass wir künftig die Hilfsfristen von acht Minuten in den innerstädtischen Bereichen der Stadt Siegen und zwölf Minuten im übrigen Kreisgebiet planerisch zu 99 Prozent erreichen werden“, ist Thomas Tremmel zuversichtlich.

Zusätzliches Personal wird durch die neuen Standorte und die zusätzlichen Rettungswagen übrigens nicht gebraucht: Denn der neue Rettungsdienstbedarfsplan berücksichtigt auch, dass künftig weniger Personalstunden für Krankentransporte benötigt werden, aber mehr für Rettungswagen. Hier kommt es zu einer deutlichen Verschiebung: „Deshalb wird in der kommenden Periode das Thema ‚Qualifizierung‘ für uns eine besondere Bedeutung haben, denn wir brauchen für die zusätzlichen RTW unterm Strich zwar nicht mehr, aber dafür höher qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, unterstreicht Thomas Tremmel.

Für die Umsetzung des neuen Konzeptes ist ein Zeitraum von vier Jahren vorgesehen: „Wir werden viele Gespräche und Verhandlungen, zum Beispiel über Grundstücke, für die beiden neuen und die zu verlagernden Rettungswachen führen müssen“, erläutert Referatsleiter Thiemo Rosenthal. Auf ihn und seine Leute kommt in den nächsten Monaten ein großes Stück Arbeit zu, insbesondere weil parallel in Abstimmung mit den Städten und Gemeinden auch am neuen Gefahrenabwehrzentrum für die Feuerwehren und Hilfsorganisationen gearbeitet wird.

„Der vorgelegte Plan macht deutlich, dass uns als Kreis und mir als Landrat die Notfallversorgung der Menschen in Siegen-Wittgenstein ein wichtiges Anliegen ist“, betont Andreas Müller: „Der neue Rettungsdienstbedarfsplan wird für viele Jahre die Richtung für die Notfallversorgung in Siegen-Wittgenstein vorgeben. Er ist die konsequente Weiterentwicklung unserer bisherigen Konzepte und bringt den Menschen in Siegen-Wittgenstein in vielen Bereichen spürbare Verbesserungen.“