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Stolperstein für Robert König in Müsen

Erster Stolperstein in Müsen als Erinnerung an Robert König

Es ist der erste Stolperstein in Müsen, der 13. im Stadtgebiet und ein für Hilchenbach ganz besonderer.

Die am 30. April 2008 vom Ideengeber der Aktion Gunter Demnig aus Köln verlegten 12 Steine erinnern an Hilchenbacher Juden, die in den Jahren 1942 und 1943 getötet und damit Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft wurden.

Der am 9. November 2016 in Müsen vom Künstler (im Bildvordergrund Gunter Demnig) persönlich verlegte Stolperstein ist demgegenüber einem nichtjüdischen Mitbürger gewidmet: Robert König. Aber auch er teilte das Schicksal in einem Konzentrationslager, in Neuengamme, inhaftiert zu werden und dort gestorben zu sein, am 5. Februar 1945.

Robert König wurde angeblich wegen eines sexuellen Kontakts zu einer Zwangsarbeiterin, also wegen sogenannter Rassenschande, verhaftet. Dieser Vorwurf ließ sich nach dem 2. Weltkrieg im Verfahren zur Wiedergutmachung nicht halten. Dieses musste seine Witwe Emma Helene König, geborene Fusselbach, führen, um eine Rente zu erhalten. „Ein besonders beschämender Vorgang“, wie Archivar Reinhard Gämlich von der Stadt Hilchenbach bei seinen Erläuterungen zur Verlegung des Stolpersteins am Standort vor dem früheren, zwischenzeitlich abgebrochenen Wohnhaus in der Kirchstraße deutlich machte. Mittlerweile stehen in Müsen dort Fabrikhallen der ehemaligen Firma Sieper.

Der hier verlegte Stolperstein trägt folgende Inschrift:

Hier wohnte Robert König, Jahrgang 1904
Im Widerstand/SPD verhaftet 24. Juli 1944
Verdacht Rassenschande
1944 Neuengamme
Ermordet 5. Februar 1945

Tatsächlich gab es zwei Gründe, die im Juli 1944 zur Verhaftung von Robert König durch die Gestapo führten. Einerseits hatte er als Beschäftigter im Eichener Walzwerk wirklich Kontakt zu Zwangsarbeiterinnen, allerdings nur um sie gelegentlich mit Essen und Kleidung zu versorgen. Andererseits war Robert König aktives Mitglied der SPD und der von den Sozialdemokraten geprägten Organisation „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ in Hilchenbach. Also bereits vor der Machtübernahme durch die NSDAP 1933 gehörte Robert König zum Widerstand.

Das Juden und parteipolitische Gegner des Nationalsozialismus auch in Hilchenbach zur NS-Zeit häufig „in einem Boot“ saßen und Anfeindungen bis hin Gewalt ertragen mussten, machten die Regionalhistoriker Dieter Pfau und Torsten Tomas in ihrem Vortrag in der Evangelischen Kirche in Müsen im Anschluss an die Stolperstein-Verlegung anschaulich deutlich.

Insbesondere die Forschung von Torsten Tomas war maßgeblich dafür, dass das Schicksal von Robert König überhaupt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gebracht werden konnte. Der SPD-Ortsverein Hilchenbach griff dessen Ergebnisse auf und sorgte nun dafür, dass ein Stolperstein an den Widerstandskämpfer erinnert.

Erinnerung war auch ein wichtiges Stichwort für Bürgermeister Holger Menzel bei seiner Begrüßung zur Verlegung des Steins. Vor rund 30 Zuhörerinnen und Zuhörern, die trotz strömendem Regen dabei waren, betonte er wie wichtig das Erinnern ist: „Menschen sind erst vergessen, wenn ihre Namen vergessen sind. Insofern sorgt nun der Stolperstein dafür, dass Robert König und sein schlimmes Schicksal nicht vergessen werden.“